Projekt «Selbstbestimmung und Abhängigkeit»

Erwartungen von Frauen an das hohe Alter
Marie-Louise Barben und Elisabeth Ryter



AKTUELL
Der Bericht und die Kurzfassung wurden am 9. November 2018 anlässlich des GrossmütterForums 2018 in Zürich vorgestellt.
Beide Fassungen können bei uns gedruckt bestellt werden oder hier als PDF heruntergeladen werden

> Vollständiger Bericht (PDF 1.3 MB)
> Kurzfassung (PDF 790 KB)


Das hohe Alter – ein kontinuierliches Engagement der GrossmütterRevolution

Das hohe Alter und dass ein Grossteil von uns immer älter wird, das sind Fakten. Darüber wird gesprochen, wenn es um (steigende) Kosten, um (fehlende) Heimplätze, um den (drohenden) Fachkräftemangel in den Institutionen der Altenpflege oder um die (kommenden) intelligenten Dinge geht, die die alten Menschen einst versorgen sollen. Die Betroffenen werden dazu kaum gefragt. Die Manifestgruppe der GrossmütterRevolution hat im Laufe der letzten Jahre drei Berichte zum hohen Alter herausgegeben:

  • Das vierte Lebensalter ist weiblich. Zahlen, Fakten und Überlegungen zur Lebensqualität im hohen Alter, 2012.
  • Care-Arbeit unter Druck. Ein gutes Leben für Hochaltrige braucht Raum, 2015, und
  • Selbstbestimmung und Abhängigkeit. Erwartungen von Frauen an das hohe Alter, 2018.

Was Frauen sich wünschen
Die letzte Lebensphase vor dem Tod nennt man auch das vierte Lebensalter. Es beginnt, wenn körperliche oder geistige Einschränkungen zur Folge haben, dass der Alltag nicht oder nicht mehr vollständig ohne fremde Hilfe bewältigt werden kann. Und: Das hohe Alter ist ein Frauenuniversum. Nicht nur steigt der Frauenanteil gegenüber demjenigen der Männer je höher das Alter, sondern auch der Anteil bei den Professionellen, den Ehrenamtlichen und den Freiwilligen sowie bei den betreuenden Angehörigen, die sich um alte Menschen kümmern, tendiert gegen 80 Prozent. Vor diesem Hintergrund hat sich die Manifestgruppe entschieden, in ihrem Projekt ausschliesslich Frauen zu befragen.
Im Laufe des Jahres 2018 wurden neun dreistündige Fokusgespräche durchgeführt. An jedem Gespräch nahmen sechs bis acht Frauen im Alter zwischen 55 und 75 Jahren teil (insgesamt 68 Frauen). Sie wurden über ihre Vorstellungen und Wünsche in Bezug auf die letzte Lebensphase befragt.

Der vollständige Bericht (ca. 80 Seiten) gibt die Fokusgespräche ausführlich wieder und enthält eine Fülle von Hintergrundinformationen zu allen angeschnittenen Themen.

In der Kurzfassung (ca. 20 Seiten) werden neben den wichtigsten Ergebnissen auch konkrete Hinweise und Szenarien für die Durchführung von solchen Fokusgesprächen gegeben, da es uns Frauen von der GrossmütterRevolution als äusserst wichtig erscheint, dass solche Gespräche auch über dieses Projekt hinaus weitergeführt werden und ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem hohen Alter werden.

> Vollständiger Bericht als PDF (1.3 MB)
> Kurzfassung als PDF (790 KB)

Selbstbestimmung & Abhängigkeit


Planung des Projekts im Frühling 2018 unter dem Titel

"WAS WIR UNS WÜNSCHEN" Gespräche über Langzeitpflege, Abhängigkeit und Integrität mit Frauen in der dritten Lebensphase.

Hintergrund
Die GrossmütterRevolution ist Plattform und Think Tank für die Frauen der heutigen Grossmütter-Generation. Die Manifestgruppe ist eine sehr aktive Arbeitsgruppe der Grossmütterrevolution, die sich, je nach Arbeitsbereich immer wieder neu zusammensetzt. Die Arbeit der Manifestgruppe orientiert sich am GrossmütterManifest aus dem Jahr 2011. Seither befasste sich die Arbeitsgruppe mit der Differenzierung und Vertiefung einzelner Programmpunkte wie zum Beispiel der Thematisierung der weiblichen Altersarmut. Sie hat bereits zwei Berichte sowie das Manifest Das hohe Alter ist uns teuer herausgegeben. Die Berichte wurden breit kommuniziert und rezipiert. Die GrossmütterRevolution hat sich damit einen Platz gesichert in der Diskussion um die Zukunft des hohen Alters und der Langzeitpflege. Dabei legt sie immer wieder Wert auf die Berücksichtigung der Geschlechterperspektive. Im September 2017 organisierte sie eine Demonstration in Bern. Dort wurden Inhalte, Ziele und Forderungen zum Thema Das Alter ist uns teuer vorgestellt. Auf unserer Website finden sich alle Publikationen und die Echos zu diesen und den Veranstaltungen.

Thematischer Bedarf
Die Manifestgruppe befasst sich weiterhin mit der Hochaltrigkeit und der Langzeitpflege aus folgenden Gründen: Im Mai 2016 ist der Bericht des Bundesrates Bestandesaufnahme und Perspektiven im Bereich der Langzeitpflege erschienen. Das Hauptziel ist die Reduktion der Kosten bzw. der Vorschlag einer obligatorischen Pflegeversicherung. Das heisst, dass vor allem die bestehenden Finanzierungsträger entlastet würden, während die Betroffenen für ihre Pflege weitestgehend selbst bezahlen. Wir vermissen eine Vision, wie die Gestaltung des Alters als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angegangen werden könnte. Voraussichtlich noch bis Ende des Jahres läuft die Evaluation zur Neuordnung der Pflegefinanzierung. Der Zwischenbericht vom November 2016 hat gezeigt, dass es auch hier weitestgehend um die Kosten und deren Vergleichbarkeit (zwischen den Kantonen, den Leistungserbringern etc.) geht. Der Schlussbericht wird nicht vor Frühjahr 2018 öffentlich sein.

Vor allem vermissen wir die Stimmen der Frauen und Männer, die heute im dritten Lebensalterstehen. Sie werden in den nächsten zwanzig Jahren als erste von den Entscheiden betroffen sein, die heute gefällt werden. Es geht also um „das Zuhören und das Redenlassen“ der heutigen Generation der Älteren. Gegenwärtig wird im gesellschaftlichen Diskurs oft von den Babyboomern gesprochen. Selten wurden diese jedoch persönlich nach ihren Bedürfnisse und Vorstellungen befragt. Zudem wird nicht berücksichtigt, dass das hohe Alter nach wie vor ein Frauenuniversum ist. Hier setzt unser Projekt an.

Ziele
Das Projekt ‘Was WIR uns wünschen’ befragt Frauen nach ihren Vorstellungen über die letzte Phase ihres Lebens. Insbesondere legt es das Gewicht auf die qualitativen Aspekte. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Vorstellungen und Wünsche betreffend Lebens- und Wohnformen in Abhängigkeit und über die zu diesem Zeitpunkt notwendige Langzeitpflege und/oder -betreuung von heute 55 - 75jährigen Frauen zu erheben. Dabei liegt der Fokus auf den Frauen, da einerseits ein Grossteil der Hochaltrigen weiblichen Geschlechts ist und andererseits die Mehrheit der professionellen und ehrenamtlichen Pflegenden und Betreuendenaller Stufen Frauen sind. Unsere Studie soll eine wertvolle Ergänzung sein zu den bereits existierenden Studien, die sich grossmehrheitlich auf die Kosten fokussieren und ausschliesslich die Sicht von Fachpersonendarstellen. Ein weiters Ziel ist es, Organisationen die sich mit der Zukunft des Alters befassen, neue Erkenntnisse aus der Sicht der Betroffenen zur Verfügung zu stellen.

‘Was WIR uns wünschen’
Die Projektleitung liegt bei der Manifestgruppe bzw. deren Vertreterin und Co-Autorin an der Studie Marie-Louise Barben. Der Auftrag geht an die ausgewiesene Fachperson und Co-Autorin der beiden vorangehenden Studien Elisabeth Ryter. Das Projekt wird von einer Teilnehmerin der Manifestgruppe und der Arbeitsgruppe Integrität sowie einer Fachperson des Gesundheitswesens begleitet. Nebst einer Recherche über bereits abgeschlossenen Studien zum Thema, liegt der Hauptfokus des Forschungsprojekts bei der Durchführung von 6-10 sorgfältig zusammengestellten Fokusgruppen mit Frauen im Alter von 55 - 75 Jahren. Im Laufe der 2- 3stündigen Gespräche sollen die Wünsche und Vorstellungen der Teilnehmenden erhoben und ausgelotet werden. Wie bei den beiden vorangehenden Studien werden die Resultate der Studie in den Veranstaltungen der GrossmütterRevolution diskutiert und vertieft, sowie einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Die Studie soll zwischen Januar und August 2018 durchgeführt werden.Kontakte

Kontakt
Marie-Louise Barben,
Projektleiterin „Was WIR und wünschen“
marielouise.barben@gmail.com