Text: Barbara Bischoff
Es geht mir gut. Trotzdem überlege ich manchmal, wie es sein wird, wenn ich nicht mehr mobil bin oder allenfalls dement werde. Wir haben unsere Wohnsituation optimal unserem Alter angepasst und hoffen natürlich, hier bis zum Schluss oder aber sehr lange wohnen zu können.
(Fortsetzung)
Ich bin in der guten Lage, dass ich einen Partner und Kinder habe. Wir versichern einander auch, dass wir uns gegenseitig ins Pflegeheim einweisen müssen, wenn es z.B. mir schlechter gehen würde. Aber aus meiner Erfahrung im etwas älteren Bekanntenkreis weiss ich, dass das nicht so problemlos funktioniert, wie wir es planen. Es stellen sich viele Fragen: Bin ich in der Lage, meinen Gesundheitszustand realistisch einzuschätzen und mir selber einen Betreuungsplatz zu suchen? Bin ich bereit, eine Entscheidung der Familie zu akzeptieren, oder fühle ich mich abgeschoben? Wird mein Partner mich gegen meinen Willen ins Heim bringen, weil er die Last nicht mehr tragen kann?
Ich denke, viele Paare sind mit diesen Entscheidungen emotional überfordert. Ich stand vor 30 Jahren vor dieser Situation, als ich meinen dementen Vater gegen den Willen meiner Mutter ins Pflegeheim bringen musste, um meine Mutter zu schützen. Sie war an dieser Betreuungslast fast zusammengebrochen. Es war für mich als Tochter keine leichte Aufgabe. Aber meine Geschwister haben mich unterstützt.
Auch wir haben unsere Kinder auf diese Problematik angesprochen und ihnen die Aufgabe übergeben, allenfalls auch gegen den Willen des betreuenden Vaters, der betreuenden Mutter die Entscheidung für diesen Schritt zu übernehmen. Doch werden sie das tun?
Schwieriger ist es für alleinstehende Frauen. Wer übernimmt diese Aufgabe? Wer kann einschätzen, wie es der alleinstehenden Frau wirklich geht?
Es ist ratsam, mit einer nahestehenden jüngeren Angehörigen, z.B. Nichte oder Neffe oder einer Freundin dieses Problem frühzeitig anzusprechen. Ich bin mir sicher: Es ist einfacher, die Unterstützung anzunehmen, wenn diese von einer Bezugsperson kommt und nicht von den Behörden. Zudem kann ich bestimmen, was mein Wunsch wäre, und es wird nicht über mich verfügt.
Eine weitere Möglichkeit ist, sich von einer Organisation, wie zum Beispiel der Pro Senectute frühzeitig beraten zu lassen. Diese haben viel Erfahrung mit Altersthemen und können oft Lösungsvorschläge bringen, an die man selber nicht gedacht hat.
Ich hoffe, ich habe noch lange Zeit, bis es eine solche Entscheidung braucht, oder dass dieser Fall gar nie eintreten wird.
Ich blicke ruhiger auf mein hohes Alter, wenn ich weiss, dass ich alles (?) geregelt habe. Vielleicht passiert dann aber eine ganz andere Situation, die ich nicht vorausgesehen habe.
Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um das Nutzererlebnis auf unserer Website zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies und ähnlichen Technologien zu. Mehr erfahren