Text: Irmgard Bayard
Vom 2. bis zum 27. Juli 2025 findet in der Schweiz die Fussball-Europameisterschaft der Frauen statt. Für uns Grund genug, einen Blick auf die Entwicklung der Frauenteams in dieser Sportart zu werfen.
(Fortsetzung)
Das erste dokumentierte Frauenteam ist dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) unter dem Namen «FC Goitschel» bekannt. Das war 1963, also in einer Zeit, als manche Mädchen immer noch einen Rüffel einfingen, wenn sie auf dem Schulhof Fussball spielten. Und erst 73 Jahre nach der Gründung des SFV. Immerhin fand bereits 1968 eine erste, allerdings inoffizielle Frauenfussball-Meisterschaft in der Westschweiz statt.
Von den Anfängen erzählten 2018 respektive 2022 die beiden Schwestern Ursula Moser und Trudy Streit-Moser in der Zeitschrift «Zeitlupe». Ihre Geschichte begann am 21. Februar 1968, mit der Gründung des landesweit ersten Frauenfussballvereins, des Damenfussballclubs Zürich. Ursula Moser wurde, damals 18-jährig, erste Präsidentin, und auch ihre Schwester Trudy war von Anfang an dabei. Der DFCZ suchte per Zeitungsinserat «Frauen unter 80», die sich anschliessen möchten. «Wir wollten einfach Fussball spielen», begründete Ursula Moser die Hauptmotivation gegenüber der «Zeitlupe». Die Schwestern berichteten der Zeitschrift von herablassenden Fragen des Reporters im Schweizer Fernsehen und von Männern, die bloss zu den Spielen gingen, um die Brüste der Frauen hüpfen zu sehen. 1970 folgte die Gründung der SDFL (Schweizerische Damen-Fussball-Liga) mit zehn Teams und im November desselben Jahres spielten die Schweizerinnen ihr erstes Länderspiel, und zwar gegen Österreich, welches die Schweizerinnen mit 9:0 für sich entschieden.
Zwanzig Jahre lang gab es keine grossen Sprünge im Frauenfussball, bis 1990 die erste Nationalliga A und 1991 die Nationalliga B eingeführt wurden. 1993 wurde der Frauenfussball in den SFV integriert und 1997/98 mit Sonja Stettler Spinner die erste Fussballerin des Jahres ausgezeichnet. Ein Meilenstein war 2004 die Einführung des Ressorts Mädchen- und Frauenfussball sowie die Eröffnung des Ausbildungszentrums für Mädchen in Huttwil.
Dieses wurde 2013 nach Biel verlegt (neue Academy). Es folgte 2006 die erste U-19-Europameisterschaft in der Schweiz. 2014/15 feierte das A-Nationalteam unter Martina Voss-Tecklenburg den höchsten Sieg der Nati-Geschichte (11:0 gegen Malta in Zug). Mit dieser Trainerin ging es bergauf mit dem Team, es folgte unter anderem die Qualifikation für die EM-Endrunde 2016/17. Nach vielen Erfolgen in den darauffolgenden Jahren stieg das Team zeitweilig wieder ab in die Gruppe B der Women’s Nations League, wo es heute, nach einem kurzen Aufstieg 2024, wieder spielt. Da die Schweiz die EM 2025 austrägt, kann das Frauenteam ohne Qualifikation an dieser teilnehmen. Die Verantwortlichen hoffen, dass mit diesem Event die positiven Effekte über das Turnier hinaus die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfussballs auf allen Ebenen vorantreiben.
Sieht man sich heute Fussballspiele an – im Fernsehen oder live - so fällt die zunehmende Zuschauerinnen- und Zuschauerzahl auf. Ein Aufwärtstrend ist also erkennbar. Dies gilt weniger beim Anteil Frauen insgesamt. Von den 343'172 lizenzierten Spielenden sind 11,7 Prozent Frauen (2015: 8,5 %), von den 32'432 Trainer/innen beträgt der Frauenanteil 7,5 Prozent (4,5 %), bei den total 4'974 Schiedsrichter/innen beträgt der Anteil Frauen 2,5 Prozent (2,0) und beim Funktionärsteam liegt der Frauenanteil der 16'075 Personen bei 13,7 Prozent (Zahlen Stand 2024). Mit fast 45‘000 Frauen und Mädchen im November 2024 sei ein historischer Höchststand erreicht, heisst es im Jahresbericht des SFV.
Noch immer finanzielle Unterschiede
Bekannt
ist, dass die Frauen immer noch wesentlich weniger verdienen als die
Männer. Auf die Frage, worauf dies zurückzuführen sein, antwortete
Dominik Erb, Verantwortlicher Kommunikation Frauenfussball, dass es die
verschiedenen Märkte seien, welche unterschiedlich viel Geld generieren
würden. Mit anderen Worten: Männerfussball generiert durch Sponsoren,
TV-Gelder und Zuschauerzahlen deutlich höhere Einnahmen, was sich in
höheren Gehältern und Preisgeldern für männliche Spieler niederschlägt.
Auch von der Politik wird der Frauenfussball anders gewertet. Immerhin
hat das Parlament für die Frauen-EM die vom Bundesrat vorgeschlagenen
vier Millionen Franken auf 15 Millionen erhöht. Das ist viel, aber immer
noch weit weniger als die vom Bund 2008 für die Männer-EM gesprochenen
80 Millionen Franken.
Über den finanziellen Unterschied gibt es vom Verband keine Auskunft. «Wir führen keine Statistiken über Saläre im Männer- und Frauenfussball.» Immerhin ist im Jahresbericht 2024 des SFV zu lesen, dass der Personalaufwand gegenüber dem Vorjahr um rund CHF 1.9 Mio. zugenommen hat. Diese Zunahme sei auf die höheren Anteile der Spielerinnen und Spieler des A-Nationalteams an Sponsoring- und Merchandising-Einnahmen des SFV sowie auf zusätzliche Neuanstellungen in den verschiedenen Direktionen zurückzuführen.
Spielerinnen und Verband hoffen dank EM auf einen weiteren Aufschwung
Auf
den allgemein positiven Umschwung im Frauenfussball angesprochen, nennt
Erb die EM 2022 in England sowie die WM 2023 in Australien und
Neuseeland, «und eben die Heim-EM, welche einen Boost auslöst». Man
wisse aus Studien, dass Heim-Turniere einen Boom auslösen und viel
Aufmerksamkeit mit sich bringen. «Für den Boom müssen wir gerüstet sein.
Wir wollen den Schwung des Turniers auch durch die SFV-Legacy «Here to
stay» die Chance optimal und nachhaltig nutzen und den nationalen
Elite-Spielbetrieb stärken wie auch Förder- und Entwicklungsprojekte und
-massnahmen im Breitenfussball und mit gesellschaftlichem Impact
umsetzen», so Dominik Erb weiter.
Dass die Frauen auch im Bereich Fussball im Kommen sind, zeigt, dass mit Aline Trede und Christelle Luisier Brodard seit Juli 2024 erstmals zwei Frauen dem Zentralvorstand des SFV angehören. Aber wie überall gilt auch im Bereich Frauenfussball: Dranbleiben, nicht aufgeben, weiterkämpfen. Und natürlich für die EM: Hopp Schwiiz!
Hinweis: Wer sich über die unglaublichen Leistungen der Frauen im Vergleich zu den Männern im Fussball informieren will, dem sei die Sendung Einstein vom 26.6.2025 im Fernsehen SRF empfohlen.
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