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«Ich bin ein positiver denkender Mensch»

Doris Gubler ist mit ihrem Leben zufrieden.
Doris Gubler ist mit ihrem Leben zufrieden.

Text und Fotos: Irmgard Bayard

Sie war Köchin, Serviertochter, Gastwirtin und Ladenbesitzerin. Menschen lagen und liegen Doris Gubler-Geiser am Herzen. Heute engagiert sie sich vorwiegend als Freiwillige, vor allem im Alterszentrum. Das ist für sie selbstverständlich.

(Fortsetzung)

Aufgewachsen ist Doris Geiser mit zwei älteren Schwestern und zwei jüngeren Brüdern in Langenthal. «Ich war im Sandwich», sagt die 75-Jährige und schmunzelt: «Wir hatten eine sehr gute Kindheit, so wie ich sie allen wünschen würde.» Die Eltern bauten 1955 ein Haus mit einem grossen Garten. «Wir haben früh gelernt, mitzuhelfen, zu Hause und in einem sogenannten ‘Wochenplätzchen’.» Das heisst, jedes Mädchen ging bei Bedarf zu einer Familie, um dort mitzuhelfen und Sackgeld zu verdienen. Die Knaben verteilten nach der Schule das ‘Tagblatt’ und den Anzeiger. «Dies und der Umgang in der Familie hat uns für unseren Lebensweg sehr viel mitgegeben», ist Doris Gubler überzeugt. Dazu gehörte, dass sich die Kinder viel im Wald aufhielten, mit den Eltern spazieren gingen oder sich im nahen, noch kleinen Tierpark tummelten. «Eine normale Dorfjugend eben.»

Ohne Komplikationen verlief ihre Kindheit trotzdem nicht. Im Alter von sieben Jahren platzte ihr Blinddarm, es kam zu Darmverwicklungen und zu Vereiterungen. Dies hatte Auswirkungen auf ihr Familienleben. Aber dazu später.

Köchin in verschiedenen Bereichen
Für die Eltern war klar, dass jedes der Kinder, also auch die Mädchen, einen Beruf erlernen durften und sollten. «Nach der Schule ging ich, wie das damals üblich war, ins Welschland. Anschliessend und vor allem dank meinen Französischkenntnissen erhielt ich in Olten eine Lehrstelle als Köchin.» Es folgte eine Weiterbildung als Diätköchin. Nach zwei Saisonstellen als Köchin war Doris Gubler in der Eidgenössischen Versuchsanstalt in Wädenswil tätig. «Am Vormittag führte ich die Kantine, am Nachmittag war ich Versuchsköchin. Das war sehr interessant.» Davon ist man sofort überzeugt, wenn sie beschreibt, worum des dort ging. «Wir hatten zwölf Rechauds. In jedem Topf waren gleich viel Wasser und unterschiedliche Anbausorten- und arten eines Gemüses, also zum Beispiel von Bohnen, wurde genau gleich lang gekocht. Dies diente dazu, das Verhalten zu testen im Hinblick auf das Gefrieren des Gemüses.» Ein weiterer Vorteil dieser Stelle: Am Wochenende hatte die junge Frau frei, was in diesem Beruf eher nicht üblich war und ist.

Den Mann kennengelernt
Nach rund drei Jahren kehrte sie zurück nach Olten, zuerst ins Coop-Restaurant und danach in den Grätzer-Biergarten, «damals eine Institution mit weiterherum bekannten Erdbeertörtchen aus speziellem Teig und mit vielen Mitarbeitenden». Das Restaurant existiert heute nicht mehr. Doris arbeitete vorwiegend im Service, wo sie dank des Trinkgeldes mehr verdiente als in ihrem Beruf als Köchin. Dass sie besonders gern an diese Zeit zurückdenkt, hat unter anderem damit zu tun, dass sie dort Walter Gubler kennenlernte. Mit ihm zusammen, dem gelernten Bäcker/Konditor, übernahm sie ab und zu Vertretungen. Bereits dort zeichnete sich ab, dass sie ein gutes Team sind.

Schore-Pintli und Dorflade
Die beiden heirateten 1980. «Da Walter besser verdiente als ich, konnte ich die Wirteschule machen», erzählt Doris Gubler weiter. Zuerst pachteten die beiden ein Restaurant in Dulliken. «Unsere Idee war es immer, ein eigenes Lokal zu besitzen». Als der damalige Besitzer des Schore-Pintli in Langenthal nach einem einheimischen Wirt suchte, kauften sie dieses 1987. Es sei am Anfang nicht einfach gewesen, da der Betrieb heruntergewirtschaftet war. «Dort haben wortwörtlich die Mäuse rumgetanzt», erzählt Doris Gubler. Heute kann sie darüber lachen, damals musste jedoch im grossen Stil ausgemistet werden.

Das Schore-Pintli blühte in der folgenden Zeit auf. «Wir hatten viele Stammgäste, unter anderem viele Bauern, einen Saal für die Vereine und treues, meist älteres, zuverlässiges Personal», blickt Doris zurück. «Es lief gut.» So konnten die beiden eine junge Frau aus der Nachbarschaft sogar finanziell unterstützen, als diese die Käserei unweit des Schore-Pintli, übernehmen wollte. Das Schicksal wollte es jedoch anders. Die junge Frau starb nach nur gerade rund zwei Monaten im Laden unerwartet an einer Hirnhautentzündung. «Mein Mann und ich haben uns dann entschlossen, neben dem Pintli auch noch den Laden zu führen.» Sie seien mit der Doppelbelastung auf dem Zahnfleisch gelaufen, gibt Doris Gubler zu. «Nach zwei Jahren merkten wir, dass dies nicht mehr geht.» Sie verpachteten und verkauften anschliessend das Restaurant.

Fortan führten sie zusammen den Dorfladen, bis sie diesen aus gesundheitlichen Gründen des Mannes Ende 2019 aufgeben mussten. «Wir haben lange nach einer Nachfolgelösung gesucht, leider vergebens», bedauert Doris Gubler. Eine Interessentin habe zwar Vorstellungen gehabt, wie sie den Laden umgestalten wollte. Als dann alles nach ihrem Gusto bereitstand, stellte sich heraus, dass sie für die Übernahme zu wenig finanzielle Mittel hatte. «Das war ein grosser Aufwand für nichts», blickt Doris zurück. Heute wohnt das Paar noch im eigenen Haus, der Laden hingegen ist anderweitig vermietet.

Viele Kinder gehütet – aber keine eigenen
Doris Gubler hadert nicht mit dem Schicksal, obwohl nicht alles so lief, wie sie es sich gewünscht hätte. «Wir hätten schon gerne Kinder gehabt», sagt sie. Auch Namen waren schon ausgesucht. Als Folge ihres Blinddarmdurchbruchs in der Kindheit ergaben sich jedoch Komplikationen. Nach einer Eileiterschwangerschaft musste sie erneut operiert werden und damit ihren Kinderwunsch begraben. «Wir haben jedoch immer viele Kinder gehütet», erzählt sie. «Das war auch schön.» Auch über ihre Hirnblutung will sie nicht gross reden. «Ich war damals fünf Tage weg, diese habe ich noch zugute», findet sie und lacht. Ein halbes Jahr lang dauerte die Therapie, die Fahrprüfung musste noch einmal gemacht werden und noch heute wird sie schneller ‘kopfmüde’, wie sie es nennt. «Ich war und bin ein positiver Mensch, das hat mir sicher immer wieder geholfen», ist sie überzeugt. Einzig ihr Haarausfall macht ihr immer noch zu schaffen. «Die Perücke ist auch nach zehn Jahren noch ein Fremdkörper.»

Doris hilft unter anderem beim Spielnachmittag im Alterszentrum Haslibrunnen in Langenthal.
Doris hilft unter anderem beim Spielnachmittag im Alterszentrum Haslibrunnen in Langenthal.

Im Einsatz für die Allgemeinheit
Heute ist Doris immer noch aktiv. Seit 2020 serviert sie in der Cafeteria des Alterszentrums Haslibrunnen an ihrem Wohnort Langenthal. Es sei manchmal anstrengend, gibt sie zu. «Über 6000 Schritte habe ich kürzlich gezählt», sagt sie und lacht. Weiter hilft sie dort beim Lottospielen, begleitet Pensionärinnen und Pensionäre in verschiedenen Formen sowie die Seniorinnen und Senioren ab und zu im ‘Kömerlibus’ zum Einkaufen. Seit 30 Jahren kocht sie bei den Konzerten des Jodlerklubs, dem ihr Mann angehört, und hilft beim dortigen Lottomatch. Jahrelang war sie zudem für den Schorenfrauentreff und den damit verbundenen Höck und die Reise verantwortlich. Während des Gesprächs kommen ihr immer wieder Dinge in den Sinn, an denen sie ebenfalls mitwirkt. Immer mehr geniesst sie jedoch heute mal ruhigere Zeiten, unternimmt mit ihrem Mann Tagesausflüge. Viel bedeuten ihr auch die Treffen mit ihren Geschwistern. Nach dem frühen Tod der Eltern sei es nicht selbstverständlich, dass alle noch da seien. «Und wir freuen uns immer, wenn wir uns sehen.» Sie mache gerne viel, sagt Doris Gubler, «aber nicht immer unter Leute sein ist halt auch mal gäbig». Sagts und ist wieder auf dem Sprung zu einem weiteren Einsatz für die Allgemeinheit.

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