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Unbezahlte Sorgearbeit gerechter verteilen

Mit dem von Kellen, Pfannen, Schaufeln rhythmisch begleiteten Haushalt-Rap führte die Vorbereitungsgruppe lustvoll durch die Frühlingstagung des Vereins GrossmütterRevolution.
Mit dem von Kellen, Pfannen, Schaufeln rhythmisch begleiteten Haushalt-Rap führte die Vorbereitungsgruppe lustvoll durch die Frühlingstagung des Vereins GrossmütterRevolution.

Text und Fotos: Monika Fischer

Unbezahlte Sorgearbeit gerechter verteilen
Die Revolution der Grossmütter besteht nicht aus Pulverdampf, Blut und Helden. Vielmehr geschieht sie im hartnäckigen Bestreben nach Veränderungen unter anderem im Hinblick auf mehr Gerechtigkeit bei der Anerkennung und Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit als wesentlicher Teil der Wirtschaft. Damit befassten sich an der Frühlingstagung im Mai 45 Frauen im Bildungshaus Kloster Kappel zum Thema «Wen kümmerts, wer sich kümmert».

(Fortsetzung)

Angeregt wurden sie durch Lesung und Gespräch mit Heidi Kronenberg und Samuel Geiser und ihrem gemeinsam verfassten Buch «Küchengespräche». Dieses wirft mit Fachpersonen und Menschen in verschiedenen Haushalten einen geschichtlichen, philosophischen, ökonomischen und gar raumplanerischen Blick auf den Haushalt.

Die Frauen der Vorbereitungsgruppe führten das Gespräch mit dem Referentenpaar anhand der folgenden Zitate aus dem Buch:

  • Um 1900 war allen klar, dass Haushalt Arbeit war.
  • Wirtschaft beginnt nicht mit der Kreditkarte, sondern mit dem Frühstück zuhause.
  • Mütter sind Expertinnen ihres Fachs, nehmt sie endlich ernst!
  • Unterschätzt die Putzfrauen nicht!
  • Mit dem Thema Erschöpfung können sich Frauen identifizieren, egal, wo sie politisch stehen.
  • Wer Haushalt- und Care-Fragen gründlich durchdenkt, wird radikal
  • Man kann Kinder nicht immer zügiger erziehen und Haare nicht schneller schneiden.

Das Journalistenpaar berichtete von der aufwendigen Recherchearbeit und den dabei gewonnen Erkenntnissen. So war in der vorindustriellen Zeit die Hausarbeit Teil der gemeinsamen Ökonomie. Noch in den 50er-Jahren galt die Führung eines Haushaltes klar als Arbeit, selbstverständlich verrichtet von der «gepflegten Hausfrau». Was das bedeutete, belegten sie mit dem «Ratgeber für die moderne Hausfrau» aus dem Jahr 1958. Trotzdem setzte sich danach das Narrativ durch, Haushaltarbeit sei keine rechte Arbeit. Oder sie berichteten vom Gespräch mit der Ökonomin Mascha Madörin. Diese zeigte die Entwicklung der Wirtschaft auf, in der nur noch zählt, was mit Geld gemessen wird. Damit wurde die unbezahlte Haus- und Familienarbeit, die auch Beziehungsarbeit ist, ausgeblendet, obwohl das, was exklusiv als Wirtschaft auftritt, der kleinere Teil der Gesamtwirtschaft ist. «Rund 259 Milliarden Franken betrug 2020 der monetäre Wert der unbezahlten Arbeit der Frauen – mehr als Bund, Kanton und Gemeinden zusammen ausgaben», war als Zitat aus dem Buch zu hören.

Referentenpaar Heidi Kronenberg und Samuel Geiser
Referentenpaar Heidi Kronenberg und Samuel Geiser

Ausgehend von ihren privaten und beruflichen Erfahrungen diskutierten die Teilnehmerinnen über ihre Anliegen und die aktuelle Situation rund um Haushalt und Care-Arbeit sowie über konkrete Möglichkeiten, diese systemrelevante Arbeit auch durch Vernetzung mit anderen Gruppen und Organisationen mit ihrer gesellschaftspolitischen Bedeutung einmal mehr sichtbar zu machen. Ein grosses Thema war unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Mental Load, der mentalen Erschöpfung. Ins Auge gefasst wurden Vorbereitungen von öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Verbindung mit einem Care-Streiktag am internationalen Care-Tag vom 29. Oktober 2026. Da in manchen SBB-Bahnhöfen Sitzbänke fehlen, wird sich eine Gruppe in Zusammenarbeit mit Ava Eva mit dem Bankprojekt befassen. Einmal mehr war die Tagung geprägt durch anregende Gespräche der engagierten Teilnehmerinnen aus der ganzen Deutschschweiz, was sich auch in der spürbaren Energie äusserte. Obwohl seit Jahrzehnten am gleichen Thema beschäftigt, hielten die Frauen fest: «Es geht ums Ganze, wir bleiben dran.»

Die Arbeit und die Diskussionen des Vereins GrossmütterRevolution werden in den Arbeitsgruppen und Regioforen sowie an der Herbsttagung vom 21. November 2025 in Luzern weitergeführt unter dem Thema «Solidarität in der Vielfalt» mit Franziska Schutzbach und ihrem Buch «Die Revolution der Verbundenheit – wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert.»

Die lustvolle Atmosphäre der Tagung mündete am Abend im unbeschwerten Tanzen im Abtkeller zur Musik der Gruppe Palinka.
Die lustvolle Atmosphäre der Tagung mündete am Abend im unbeschwerten Tanzen im Abtkeller zur Musik der Gruppe Palinka.

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