Text und Fotos: Monika Fischer
Unbezahlte Sorgearbeit gerechter verteilen
Die Revolution der Grossmütter besteht nicht aus Pulverdampf, Blut und Helden. Vielmehr geschieht sie im hartnäckigen Bestreben nach Veränderungen unter anderem im Hinblick auf mehr Gerechtigkeit bei der Anerkennung und Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit als wesentlicher Teil der Wirtschaft. Damit befassten sich an der Frühlingstagung im Mai 45 Frauen im Bildungshaus Kloster Kappel zum Thema «Wen kümmerts, wer sich kümmert».
(Fortsetzung)
Angeregt wurden sie durch Lesung und Gespräch mit Heidi Kronenberg und Samuel Geiser und ihrem gemeinsam verfassten Buch «Küchengespräche». Dieses wirft mit Fachpersonen und Menschen in verschiedenen Haushalten einen geschichtlichen, philosophischen, ökonomischen und gar raumplanerischen Blick auf den Haushalt.
Die Frauen der Vorbereitungsgruppe führten das Gespräch mit dem Referentenpaar anhand der folgenden Zitate aus dem Buch:
Das Journalistenpaar berichtete von der aufwendigen Recherchearbeit und den dabei gewonnen Erkenntnissen. So war in der vorindustriellen Zeit die Hausarbeit Teil der gemeinsamen Ökonomie. Noch in den 50er-Jahren galt die Führung eines Haushaltes klar als Arbeit, selbstverständlich verrichtet von der «gepflegten Hausfrau». Was das bedeutete, belegten sie mit dem «Ratgeber für die moderne Hausfrau» aus dem Jahr 1958. Trotzdem setzte sich danach das Narrativ durch, Haushaltarbeit sei keine rechte Arbeit. Oder sie berichteten vom Gespräch mit der Ökonomin Mascha Madörin. Diese zeigte die Entwicklung der Wirtschaft auf, in der nur noch zählt, was mit Geld gemessen wird. Damit wurde die unbezahlte Haus- und Familienarbeit, die auch Beziehungsarbeit ist, ausgeblendet, obwohl das, was exklusiv als Wirtschaft auftritt, der kleinere Teil der Gesamtwirtschaft ist. «Rund 259 Milliarden Franken betrug 2020 der monetäre Wert der unbezahlten Arbeit der Frauen – mehr als Bund, Kanton und Gemeinden zusammen ausgaben», war als Zitat aus dem Buch zu hören.
Ausgehend von ihren privaten und beruflichen Erfahrungen diskutierten die Teilnehmerinnen über ihre Anliegen und die aktuelle Situation rund um Haushalt und Care-Arbeit sowie über konkrete Möglichkeiten, diese systemrelevante Arbeit auch durch Vernetzung mit anderen Gruppen und Organisationen mit ihrer gesellschaftspolitischen Bedeutung einmal mehr sichtbar zu machen. Ein grosses Thema war unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Mental Load, der mentalen Erschöpfung. Ins Auge gefasst wurden Vorbereitungen von öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Verbindung mit einem Care-Streiktag am internationalen Care-Tag vom 29. Oktober 2026. Da in manchen SBB-Bahnhöfen Sitzbänke fehlen, wird sich eine Gruppe in Zusammenarbeit mit Ava Eva mit dem Bankprojekt befassen. Einmal mehr war die Tagung geprägt durch anregende Gespräche der engagierten Teilnehmerinnen aus der ganzen Deutschschweiz, was sich auch in der spürbaren Energie äusserte. Obwohl seit Jahrzehnten am gleichen Thema beschäftigt, hielten die Frauen fest: «Es geht ums Ganze, wir bleiben dran.»
Die Arbeit und die Diskussionen des Vereins GrossmütterRevolution werden in den Arbeitsgruppen und Regioforen sowie an der Herbsttagung vom 21. November 2025 in Luzern weitergeführt unter dem Thema «Solidarität in der Vielfalt» mit Franziska Schutzbach und ihrem Buch «Die Revolution der Verbundenheit – wie weibliche Solidarität die Gesellschaft verändert.»
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