Schliessen

Migration und Alter III

Persönliche Gedanken zur Migration

Mitarbeiterinnen der Entwicklungshilfe in Indonesien.
Text und Bild: Marianne Stohler

Als Fremde in einem fremden Land
Was es heisst Migrantin zu sein, erlebte ich zum Teil während meinem Auslandaufenthalt in Indonesien auf einer kleinen Insel. Da ich im Auftrag der schweizerischen Entwicklungshilfe in diesem Land arbeitete, hatte ich bessere Voraussetzungen als Migrantinnen und Migranten, die als ArbeiterInnen oder Flüchtlinge zu uns kommen.

(Fortsetzung)

Trotzdem spürte ich oft sehr stark, was es heisst fremd zu sein. So viel Alltägliches war mir unvertraut. Die Sprache, das Verhalten in den öffentlichen Bemos (kleinen Autos mit Quersitzen, die jeweils von den Leuten angehalten wurden, wenn sie mitgenommen werden wollten). In diesen Bemos berührten mich die Leute dauernd. Sie wollten spüren, wie sich weisse Haut anfühlt. Sie berührten meine blonden Haare und kommentierten sie mit janty, janty, was so viel wie wunderbar bedeutete.

Auch das Einkaufen auf dem Markt war ein Abenteuer. Ich musste lernen, dass der zuerst verlangte Preis extrem hoch war und ich davon höchstens einen Bruchteil zu zahlen hatte. Das aber bedingte, dass ich zu handeln lernen musste. Ein spielerischer Vorgang, den die Menschen voller Vergnügen jeweils wiederholten.

Die Arbeitsmoral war ebenfalls eine ganz andere. Da staunten die Einheimischen oft über uns Schweizer, die intensiv bei der Arbeit waren. Die Indonesier machten ab und zu Pausen, lachten, scherzten miteinander und schüttelten wohl oft den Kopf über uns.

Fehlender Abstand war gewöhnungsdürftig
Was mir grosse Mühe machte, waren die Massen von Menschen, die mich immer umgaben. Es gab keine Möglichkeit alleine zu sein. Immer war eine grosse Menge von Leuten um mich. Sie hielten auch kaum Abstand, sondern setzten sich so nahe wie möglich zu mir. So konnten sie auch nicht mitfühlen, dass ich problemlos alleine in unserem Häuslein übernachten wollte, als mein Partner in Jakarta war. Einer unserer Mitarbeiter liess es sich nicht nehmen vor meiner Haustür zu übernachten, um die bösen Geister abzuwehren. Ins Haus hinein aber wollte er nicht kommen.

Ich erlebte dann aber, dass diese Menschen oft mit sehr vielen Familienangehörigen zusammen in einem Zimmer wohnten und daher Nähe als selbstverständlich nahmen.

Essen mit den Händen war normal
Auch das Essen mit den Händen aus einem Bananenblatt war für uns gewöhnungsbedürftig.

Mir fiel es sehr schwer, mich an all das zu gewöhnen. Ich spürte oft wie fremd ich war und wie schwierig es war mich anzupassen, neue Gewohnheiten zu ertragen. Ich kann so gut nachfühlen, wie die vielen Migrantinnen und Migranten sich bei uns fühlen müssen, sind sie doch gezwungen all das für sie Neue zu verkraften und zu versuchen, sich anzupassen.

So bewundere ich heute immer wieder Migrantinnen und Migranten, die lernen sich bei uns in der Schweiz einzugliedern und unsere Verhaltensweisen anzunehmen. Eine grosse Leistung!

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um das Nutzererlebnis auf unserer Website zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies und ähnlichen Technologien zu. Mehr erfahren