Text: Irmgard Bayard, Bilder: zur Verfügung gestellt
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Doris Nienhaus leitet die Fachstelle seit Anfang Jahr.
Foto: Irmgard Bayard
Wer im bernischen Oberaargau mit Fragen zur Migration zu tun hat, kommt früher oder später mit interunido in Kontakt. Die vom Verein BIO (Bildung und Integration im Oberaargau) getragene Fach- und Bildungsstelle im Migrations- und Integrationsbereich engagiert sich nicht zuletzt im Bereich ‚Migration und Alter‘.
(Fortsetzung)
Derzeit bestehen zwei Gruppen von Seniorinnen bei interunido, eine tamilische und eine albanische. Diese Seniorinnenrunden werden von Frauen mit der gleichen Sprache geleitet. "Weitere wären wünschenswert“, sagt Doris Nienhaus, seit Januar Leiterin der Geschäftsstelle. „Eine Schwierigkeit ist die Erreichbarkeit, speziell der älteren Migrantinnen. Diese sind sich oft nicht gewohnt, aus dem Haus zu gehen.“ Wo und wie man sie finde, komme unter anderem darauf an, wie lange diese schon in der Schweiz und wie sie eingebunden seien. „Wichtig ist es, dass sich die Frauen regelmässig treffen und untereinander austauschen können.“ Für die ältere Bevölkerung gibt es unter anderem Pro Senectute. Dieser fällt es aber auch schwer, die Migrantinnen und Migranten zu erreichen. Und die Sprache bleibt für diese Zielgruppe eine Hürde, um das Angebot von Pro Senectute zu nutzen. „Wir von interunido arbeiten mit verschiedenen Dolmetscherinnen und Dolmetschern sowie Schlüsselpersonen zusammen, damit wir die Leute auch wirklich erreichen“, so die 57-Jährige.
Es tut sich etwas, aber zu wenig
Trotzdem ist die ausgebildete Theologin und Sozialarbeiterin erfreut zu sehen, dass sich bei der Infrastruktur für ältere Migrantinnen und Migranten etwas bewegt. „Zum Beispiel gibt es in einigen Altersheimen spezialisierte Angebote wie Mittelmeer-Abteilungen vorwiegend für die italienische, spanische, griechische und albanische Bevölkerung.“ Noch werden Migrantinnen und Migranten im Alter häufig von ihren Kindern betreut, was sich jedoch in der zweiten und dritten Generation ändert. Unter anderem weil die Grossfamilien verschwinden und die Jungen oft anderswo leben und arbeiten als ihre Eltern. Wie meistens liegt zudem die Care-Arbeit bei den Frauen. „Das bringt sie oft an ihre Grenzen. Wenn sie sich dann nicht mehr kümmern können, wird ihnen das von den anderen Familienmitgliedern vorgeworfen“, weiss Doris Nienhaus aus Erfahrung.
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Die tamilische Frauengruppe, geleitet von Thavamani Thanabalasingam (im Bild oben links)
Armut im Alter ist ein grosses Thema
Ein weiteres Thema ist die Armut. „Viele haben ein Leben lang gearbeitet, oft zu niedrigen Löhnen, und verfügen über keine Pensionskasse. Sie hätten zwar ein Anrecht auf Ergänzungsleistung, beantragen sie jedoch nicht aus Unwissen oder Angst vor dem Verlust ihres Aufenthaltsstatus.“ Hier und beim Abholen von Prämienverbilligungen hilft interunido und begleitet Menschen, damit sie alle wichtigen Informationen erhalten und gezielt beraten werden. „Früher wurden Informationsveranstaltungen für fremdsprachige Seniorinnen und Senioren durchgeführt. Hier könnte wieder angesetzt werden“, so Doris Nienhaus.
Bei interunido stehen 58 Leute auf der Lohnliste. Acht Kursleiterinnen und sechs als Mitarbeitende auf der Geschäftsstelle. Dazu kommen Dolmetschende, Kinderbetreuerinnen, Moderatorinnen und Hausbesucherinnen, die im Stundenlohn arbeiten. Für diese Menschen ist diese Arbeit bei interunido oft ein niederschwelliger Eintritt ins Schweizer Arbeitsleben. Im Anschluss erhalten sie zum Beispiel Stellen bei der Familienhilfe Schoio in Langenthal oder als Klassenassistenz.
Um die Migrantinnen und Migranten besser zu integrieren, setzt interunido stark auf frühe Förderung. Dieses Angebot richtet sich an Kinder im Vorschulalter und deren Mütter und Familien. Sie unterstützt die Entwicklung der Kinder und stärkt ihre Fähigkeiten, damit sie optimal auf den Kindergarten und die Schule vorbereitet sind.
Diese Vielseitigkeit ist es, welche Doris Nienhaus an ihrer neuen Arbeit gefällt. Sie hofft, einige Bereiche wie Kurse zu digitalen Kompetenzen und Beratung ausbauen zu können, um die Erreichbarkeit zu verbessern.
Details zur Fach- und Bildungsstelle und deren Angebot gibt es unter www.interunido.ch
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