Text: Barbara Bischoff
Vielleicht bist du als Leserin der Frauenweis(s)heiten nicht die richtige Ansprechperson. Trotzdem ist es mir wichtig, einmal über dieses Thema zu schreiben. Was mich nämlich beschäftigt, betrifft vor allem jüngere Frauen. Deshalb möchte ich meine Altersgenossinnen auffordern, mit ihren Kindern, Enkelinnen, Bekannten darüber zu diskutieren. Eure und die Meinung der jüngeren Frauen interessieren mich sehr.
(Fortsetzung)
Liebe jüngere Frauen
Im Jahre 1988 trat das neue Eherecht in Kraft. Wir Frauen mussten sehr lange dafür kämpfen, endlich als (fast) gleichwertige Menschen wie Männer vor dem Schweizer Gesetz zu werden. Wir ihr wisst, hatte bis dahin eine verheiratete Frau kaum Rechte und durfte, ausser Kinder erziehen und den Haushalt zu führen, kaum etwas unternehmen ohne die Erlaubnis ihres Gatten. Also Beruf ausüben, Wohnort bestimmen, Bankkonto eröffnen, Steuererklärung einsehen etc.
Auch ich habe unter dem alten Eherecht geheiratet. Ich muss zugeben, dass es mich damals nicht gross gestört hat, dass meine Rechte nun beschnitten wurden.
Was mich aber immer störte war, dass ich meinen Nachnamen aufgeben musste und fortan Frau Frei war und damit auch die «Frau von Herrn Frei».
Es ging nach meiner Heirat noch 16 Jahre bis das neue Eherecht in Kraft trat.
Als es endlich soweit war, ging ich bereits am ersten Werktag im Januar 1988 auf das Gemeindeamt und forderte meinen Mädchennamen zurück. Natürlich musste ich die richtigen Dokumente mitbringen und dann noch die Namensänderung bezahlen! Den Bürgerort habe ich nicht mehr zurückgefordert, denn das hätte nochmals rund Fr.100.- gekostet.
Zudem kamen ja noch einige andere Kosten für neue Identitätskarte, Pass, Grundbuchamt, AHV, Pensionskasse, usw. dazu. An meiner Arbeitsstelle musste ich die Änderung auch noch mit dem richtigen Dokument beweisen.
Eine weitere Hürde waren zudem einige Bekannte. Mein «neuer» Name wurde oft mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen und Fragen wie «hast du das nötig?» oder «Was sagt denn dein Mann dazu?» waren keine Seltenheit.
Aber das sind alte Geschichten.
Heute kann jede Frau wählen, ob sie ihren Mädchennamen behalten oder den Namen des Ehemannes annehmen möchte, oder ob ihr Nachname als Familienname gelten soll.
Wenn ich nun aber junge Frauen treffe, bin ich jedes Mal enttäuscht zu hören, dass sie den Nachnamen ihres Ehemannes angenommen haben. Manchmal kann ich darüber nur leer schlucken und wenn ich mutig bin, frage ich warum.
Aussagen wie «wir möchten eben als Familie denselben Namen führen» oder «das ist einfacher so» usw. empfinde ich als Ausreden.
Wie viele Patchwork-Familien gibt es mit Kindern und Eltern mit verschieden Nachnamen? Leiden diese darunter? Wie viele Ehen werden geschieden und die Frau wechselt dann wieder zu ihrem Mädchennamen?
Es gibt noch viele Gegenargumente. Aber die wichtigste Frage für mich ist, warum geben so viele Frauen mit der Namensänderung einen Teil ihrer Identität auf?
Wie ich schon sagte, möchte ich nicht die Frau von XXX sein, sondern ich möchte Ich sein, mit meinem angestammten Namen und das ab Geburt bis zum Ableben!
Leider sind es immer noch nur etwa 10% Frauen, die ihren Mädchennamen nach der Heirat behalten.
Ich verstehe das ganz und gar nicht. Kann mir das jemand erklären?
Mit fraulichen Grüssen
Barbara Bischoff
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