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So sahen früher «Kassenzettel» aus.
Text: Barbara Bischoff
Anfangs Jahr starb bei uns im Dorf einer der letzten Bauern, welcher seit Generationen den Familienhof geführt hatte, im Alter von 98 Jahren.
Damit ging auch ein Teil der Dorfgeschichte verloren.
(Fortsetzung)
Natürlich existiert eine geschichtliche Chronik über unser Dorf. Aber die Alltagsgeschichten? Das veranlasste uns, Erinnerungen alter Einwohnerinnen und Einwohner zu sammeln. Auf einen Aufruf meldeten sich einige Menschen. Andere sprachen wir direkt an und hörten bei einem Kaffee ihren Erinnerungen zu.
Oft kam auf unsere Anfrage die Antwort: «Aber ich habe doch nichts zu erzählen.» Solche Gespräche dauerten manchmal recht lange und waren ausserordentlich spannend. Man erinnerte sich an die Einkaufsmöglichkeiten im 600 Seelendorf. Es gab noch lange zwei Bäckereien, eine Metzgerei und zwei Lebensmitteläden wie den Landi.
Der Dorfbach war noch oberirdisch und floss der Dorfstrasse entlang. Anscheinend fiel nie ein Kind ins Wasser. Das gesellschaftliche Leben fand im Dorf statt und wurde von vielen alten Einwohnerinnen und Einwohner als toll empfunden. Die Stadt Zürich, kaum 15 km weit entfernt, wurde kaum besucht, obwohl das Dorf einen Bahnhof hat mit direkter Verbindung zur Stadt. Das war auch nicht nötig, denn das Dorfleben genügte vollauf.
Der Bazooka-Kaugummi im Zuckergeschirr
Wir bekamen von den Einwohnern unzählige Fotos, welche in irgendeiner Schachtel schon von der Urgrossmutter gelagert waren. Bei den Erzählenden wurden Erinnerungen wach. Zum Beispiel, dass sie einmal einen Bazooka- Kaugummi kaufen durfte, der dann im Zuckergeschirr über die Nacht gelagert wurde, um ihn weitere Tage zu kauen. Oder dass der Vater verbot, mit der Schule im See baden gehen zu dürfen, mit der Begründung, «es gäbe Wichtigeres zu tun».
Obwohl die Jugendzeit im Dorf noch bis in die 50er-Jahre von Arbeit geprägt war, wurde nicht gejammert und oft wurde gesagt, «es ging ja allen Kindern so».
Dieses Thema hat uns gepackt und irgendwann mussten wir mitteilen, dass wir genügend Geschichten hätten. Wir werden diese Geschichten nach einer Vernissage im Dorfkafi auflegen und später in einem Ordner für die nächsten Generationen aufbewahren.
Auch ich habe einige Geschichten aufgeschrieben und den Erzählerinnen zur Durchsicht gegeben. Und es löste bei mir einiges aus, wenn ich über das frühere Dorfleben nachdachte. Ich bin kaum 15 km weiter entfernt aufgewachsen, aber in einem völlig anderen Umfeld. Wir lebten in einer Kleinstadt. Wir waren städtisch orientiert und wussten vom kargen Bauernleben nichts, wo es nach der Schule hiess: mithelfen, arbeiten…
Mit Freunden habe ich über solche Erinnerungen diskutiert, und uns ist aufgefallen, wie unterschiedlich unsere Jugendzeiten waren, je nachdem, ob jemand in der Stadt oder auf dem Lande, ob in gehobener Schicht, in einer Arbeiterfamilie oder in einem kleinbäuerlichen Milieu aufwuchs. Mir wurde auch bewusst, dass wir in der Schule kaum wussten, was die Eltern der jeweiligen Gspänli arbeiteten. Einzig die Kinder mit einer auswärts arbeitenden Mutter wurden bedauert.
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