Text: Marianne Stohler, Foto: Monika Fischer
Das Lesen der Tageszeitung kann Hilflosigkeit auslösen. Wie ist es möglich, dass machtbesessene, alte Männer die Welt an den Abgrund führen? Der Rückzug auf die eigene heile Welt und die Natur können dazu beitragen, wieder Kraft für die Kampf um eine gerechte Welt zu finden.
(Fortsetzung)
Seit meiner Pensionierung geniesse ich am Morgen in Ruhe ein Frühstücksmüesli, wenn sich mein Kalender nicht wieder mit vielen Tätigkeiten gefüllt hat. Schön, wenn ich mich nicht nach einer Tasse Kaffee sofort auf den Weg machen muss, damit ich noch eine ruhige Stunde im Büro habe, um Mails zu bearbeiten, bevor der ganze Betrieb losgeht.
Zum Frühstück gehört für mich die aktuelle Tageszeitung. In den letzten Jahren merke ich aber, dass sich die Weltlage drastisch verändert. Eine schlechte Nachricht jagt die andere. Verzweifelte, hungrige, obdachlose Menschen, die alles verloren haben, werden geschildert, ab und zu noch mit entsprechenden Bildern. Durch das Lesen dieser Nachrichten fühle ich mich immer hilfloser, unfähig, irgendeinen Beitrag zu leisten, damit es diesen Menschen besser geht. Ich beginne, auch an der Menschheit als solche zu zweifeln. Wie ist es möglich, dass machtbesessene, alte Männer die Welt an den Abgrund führen?
Ich merke, wie mich das Ganze mehr und mehr überfordert. Manchmal schaffe ich es nicht, mir all diese Nachrichten zu Gemüte zu führen. Ich ziehe mich zurück auf meine kleine Insel, in meine kleine heile Welt. Oft gehe ich hinaus in die Natur, tanke frische Luft, schaue mich um und entdecke viele kleine Schönheiten.
Langsam verblassen dann die schlimmen Bilder und ich schöpfe wieder Kraft, Kraft um mindestens in meinem engeren und weiteren Umfeld mit Gleichgesinnten zu kämpfen für eine gerechtere Welt.
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