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Frieden ist ein Tätigkeitswort

Monika Stocker im Jahr 2020 bei ihrem Vortrag «In Sorge um die Welt der Enkelkinder».
Monika Stocker im Jahr 2020 bei ihrem Vortrag «In Sorge um die Welt der Enkelkinder».

Text und Foto: Monika Fischer

So heisst der Titel des neusten Buches von Monika Stocker. In der Einleitung schreibt sie: «Frauen tun Frieden; sie wissen: Frieden ist nicht einfach ein frommes Wort, ein Wunsch, etwas Nettes. Nein: Frieden ist eine Aufgabe, eine not-wendige und all-tägliche Aufgabe!» In Briefform hat sie Frauenleben skizziert, die mit ihrem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit Mut machten, dranzubleiben. Deshalb schreibe ich der Autorin einen Brief.

(Fortsetzung)

Liebe Monika

Deinen Namen kannte ich früher von deiner Arbeit als Sozialarbeiterin, als kämpferische Nationalrätin der Grünen und als engagierte Stadträtin von Zürich. Persönlich kennengelernt habe ich dich bei den Matronatssitzungen und Tagungen der GrossmütterRevolution. Unermüdlich hast du dich auch dort für ein gerechtes und gutes Leben für alle Menschen im Einklang mit der Natur eingesetzt, ja du hast nach wie vor vehement dafür gekämpft.

Ich erinnere mich auch an einen Vortrag von dir in Luzern, zum Thema «In Sorge um die Welt der Enkelkinder». Darin stelltest du unter anderem die Frage: «Wann wurden wir so sozialisiert, dass wir buchstäblich alles dem Geld unterordnen: unsere Gesundheit, manchmal die Partnerschaft und die Kinder, zunehmend die Lebensgrundlagen, Wasser, Luft, Biodiversität – und immer wieder den Frieden?» - Das aktuelle Geschehen zeigt eindrücklich, wohin uns die einseitig von Geld und damit verbundener Macht bestimmten Überzeugungen geführt haben.

Mit den Jahren hast du dich ganz aufs Schreiben verlegt. Dabei sind Cahiers mit Kurzgeschichten und mehrere Bücher entstanden. «He, dich kenne ich doch», heisst eines mit Geschichten aus deinem früheren Berufsalltag. Im Vorwort hat Peter Bichsel dazu u.a. geschrieben «Das ist ein privates Buch, und das berührt. Eine Frau, die ihr politisches Amt als persönlich genommen hat, als ihr Leben, ihr eigenes Leben.» Dies zeigen auch deine Gedichte. Im Buch «Ich bin doch das offene Feld» lese ich unter anderem:

Die Welt umarmen
die geschundene Frau
sie nähren und pflegen
ihre Wunden verbinden
den Schorf abwaschen
sie salben
und kleiden in Würde
.

In der WOZ habe ich vor Weihnachten von deinem neusten Buch «Frieden ist ein Tätigkeitswort» erfahren und dieses sofort bestellt. Das Buch wurde von WILPF Schweiz, der Internationalen Frauenliga für Frieden und Gerechtigkeit, anlässlich ihres 110jährigen Bestehens in deutscher und englischer Sprache herausgegeben. Die feministischen Gründungsmütter weigerten sich, Krieg als unvermeidlich hinzunehmen. Bis heute ist das Ziel der in 40 Ländern tätigen Organisation eine Welt, in der Konflikte durch Dialog, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit gelöst werden und nicht durch Gewalt. Mit einer Vision von Frieden, die untrennbar mit Geschlechtergerechtigkeit und sozialem Wandel verbunden ist, beeinflusst die Basisbewegung die internationale Politik.

Du wendest dich in Briefform an 11 Frauen. Dazu gehören die Gründerin von WILPF, Jane Adams, die 1931 den Friedensnobelpreis erhielt, ebenso wie Rosmarie Schmied, eine der Initiantinnen der Labyrinth-Bewegung und Clara Ragaz, die Vorsitzende des Schweizer Zweigs von WILPF. Wir begegnen den Frauen durch deinen Blick. Du versetzest dich hinein in ihre Lebensrealität, spürst ihrem Wirken nach, tauschst dich mit ihnen aus, erzählst vom gemeinsamen Engagement und sagst, weshalb sie für dich wichtig sind. Indem du deine Erfahrungen und Befindlichkeit in ihrem Leben spiegelst, erfahren wir auch viel über dich. Im Austausch mit Franziska Schutzbach sagst du ihr unter anderem, wie gut dir ihr Buch «Revolution der Verbundenheit» tut: «Es zeigt auf, was wir einst wollten und jetzt mit Trauerarbeit verbinden müssen, weil es nicht gelungen ist oder halt nur sehr ansatzweise.» Gleichzeitig erzählst du ihr von zwei für deine Generation wunderbaren Erlebnissen der Verbundenheit der Frauen: der Frauensession 1991 und von den 2005 nominierten 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis.

Zu jeder der skizzierten Frauen hast du ein Zitat gesetzt, das uns auch heute stärken soll. «Wahrheit gibt es nur dort, wo wir lernen, ohne Geländer zu denken», heisst es z.B. bei Hanna Arendt und «Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit», bei Dorothee Sölle.

Es war für mich eindrücklich zu lesen, wie alle ihr Frauen unter schwierigsten Umständen unermüdlich drangeblieben seid. Dabei wird eine Kraft spürbar, die ansteckt, Mut gibt und zum Tun, zum Handeln anregt.

Ich danke dir, liebe Monika, ganz herzlich, dass du dich trotz Enttäuschungen und Müdigkeit immer wieder aufgerafft hast zum Einsatz für ein gutes Leben für alle, zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

Ich hatte mich darauf gefreut, dir gemäss Ankündigung an der GV des Vereins GrossmütterRevolution wieder einmal zu begegnen. Wegen Erkrankung musstest du absagen.

So wünsche ich dir herzlich gute Besserung – und trage Sorge zu dir!

Monika, die andere

Das Buch von Monika Stocker «Frieden ist ein Tätigkeitswort» kostet 25 Franken und kann bestellt werden per E-Mail unter info@wilpfschweiz.choder per sms an 079 330 97 86.

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