Text: Barbara Bischoff, Foto: Monika Fischer
Wenn die Gewalt die Welt zu beherrschen scheint
Seit einigen Jahren ist das Thema Gewalt in unserem Land und auf der ganzen Welt wieder viel präsenter als in den neunziger Jahren. Mit dem Ende des kalten Krieges erhofften sich viele Menschen eine Deeskalation der kriegerischen Auseinandersetzungen und mehr Frieden in und um Europa. Leider war diese gefühlte, friedlichere Zeit von relativ kurzer Dauer. Im Moment brennt es auf der ganzen Welt auch mit kriegerischen Konflikten.
(Fortsetzung)
Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gewalt im Bericht „Gewalt und Gesundheit“ (2002) wie folgt: «Gewalt ist der tatsächliche oder angedrohte absichtliche Gebrauch von physischer oder psychologischer Kraft oder Macht, die gegen die eigene oder eine andere Person, gegen eine Gruppe oder Gemeinschaft gerichtet ist und die tatsächlich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt.»
Diese Definition der WHO definiert die Gewalt gegen Menschen. Gewalt erlebe ich aber auch gegen Tiere und die Umwelt. Neben der weltweit verbreiteten Gewalt scheint mir, dass auch im Alltag der Umgang unter den Menschen rauer geworden ist. Die politischen Auseinandersetzungen und der Gesprächston sind härter und verletzender geworden. Der Umgang mit Andersdenkenden wird vermehrt zur Konfrontation statt zum Dialog. Fast täglich liest man über Femizide, gewalttätige Streitereien mit Messern, wahllose Überfälle auf alte Menschen und Jugendliche usw.. Wenn ich an Femizide denke, glaube ich, dass auch in früheren Zeiten Frauen sehr gefährdet waren, aber sehr vieles nie publik wurde.
Auch unserer Welt wird systematisch Gewalt angetan, sei es durch Kriege, Gewässer- und Landverschmutzung. Leider hat seit langem ein sehr kurzfristiges Denken der Gewinnmaximierung die Oberhand. Alles muss rentieren und wird mit Geld bewertet. Ich denke oft an das Sprichwort: «Nach mir die Sintflut». Auch ich muss mich immer wieder aufraffen, daran zu denken, dass es sich auch in meinem Alter noch lohnt, für weniger Gewalt und eine intaktere Natur zu kämpfen.
Oft finde ich es schwierig, den momentan regierenden Autokraten, Diktatoren, gewalttätigen Gruppierungen nicht alles Böse zu wünschen. Aber aus meinem langen Leben habe ich gelernt, dass es meistens nicht viel bringt, einen Diktator einfach zu ersetzen.
Was kann ich persönlich tun um nicht zu resignieren?
Welchen Beitrag kann ich leisten? Ich schütze mich, indem ich nicht immer die negativen Nachrichten lese oder höre. Ich versuche, positive Aspekte in der heutigen Welt zu sehen und mich daran zu erfreuen. Ich unterstütze politische Stimmen, die es wagen, sich laut zu äussern gegen Gewalt an Andersdenkenden, die Natur und sich gegen die Aufrüstung mit Waffen wehren. Meines Erachtens führt Aufrüstung zu noch mehr Eskalation.
Ich bin mir aber bewusst, dass eine Gegenwehr stattfinden muss. Sei es in einem Krieg unter Ländern aber auch im eigenen Lande gegen die Diskriminierung einiger Menschen und Menschengruppen. Das alleinige suchen nach den Schuldigen löst die Probleme nicht. Das sind allenfalls populistische Erklärungen.
Zum Glück gibt es auch Bewegungen, welche sich aktiv für eine bessere Welt einsetzen. Ein gutes Beispiel unter vielen sind die Klimaseniorinnen.
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