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Würde statt Übermedikation – im Alter!

Aus dem NL von VASOS, der Vereinigung aktiver SeniorInnen – und Selbsthilfeorganisationen

Würde statt Übermedikation – im Alter!

Ältere Menschen sehen sich im Alltag oft Diskriminierung ausgesetzt, beispielsweise im Gesundheitswesen, bei der Wohnungssuche oder bei freiheitsentziehenden Massnahmen. Und das, obwohl die Bundesverfassung die Gleichbehandlung garantiert. Es braucht einen besseren Schutz im Alter – für mehr Würde, Teilhabe und Solidarität zwischen den Generationen. Deshalb hat VASOS die Petition Stop der Altersdiskriminierung zuhanden von Bundesrat und Parlament lanciert und am 1. März 2026 eingereicht.

(Fortsetzung)

Diskriminierung aufgrund des Alters ist eine Realität, sei es auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche, bei Versicherungen, im digitalen Raum oder in der Gesundheitsversorgung. So erhalten ältere Menschen oft zu viele Medikamente. Dazu sagt der Arzt Dr. med. Max Giger: «Viele ältere Menschen erhalten Neuroleptika und andere Beruhigungsmittel, obwohl sie sie nicht benötigen. Diese Medikamente stumpfen ab, führen zu Stürzen und Spitaleinweisungen und gefährden die Lebensqualität der Betroffenen.» Dies ist nur eine von zahlreichen Erscheinungsformen der Altersdiskriminierung. Vor diesem Hintergrund hat die VASOS die Petition «Schutz gegen Altersdiskriminierung» initiiert.

Warum ist das wichtig?
Die Schweizer Bundesverfassung verbietet in Artikel 8, Absatz 2 die Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Lebensform, Geschlecht, Behinderung, Religion, weltanschaulicher oder politischer Überzeugung, «Rasse» und auch aufgrund von Alter. Dennoch ist die Altersdiskriminierung im Alltag eine Realität – meist unbeachtet und ohne rechtliche Konsequenzen.

Diskriminierungen aufgrund des Alters betreffen viele Lebensbereiche: die Gesundheitsversorgung, das selbstbestimmte Wohnen im Alter, die Wohnungssuche, den Zugang zum öffentlichen Verkehr, den Schutz vor Gewalt und finanzieller Ausnützung oder bei freiheitsentziehenden Massnahmen z.B. wegen Personalmangel in Institutionen. Im Zusammenspiel verschiedener Benachteiligungen wird besonders deutlich, wie lückenhaft der Schutz älterer Menschen ist.

Die Schweizerische Menschenrechtsinstitution (SMRI) weist auf erhebliche Defizite im geltenden Diskriminierungsschutz hin. Internationale Organisationen wie die OECD (2014) oder die WHO (2021) fordern die Schweiz zu gezielten Massnahmen gegen diskriminierende Benachteiligungen aufgrund des Alters auf. Prof. Christian Maggiori (HES-SO) stellt aufgrund einer Umfrage fest, dass Altersdiskriminierung gar häufiger auftritt als Sexismus oder Rassismus – europaweit und auch in der Schweiz.

Petition: Rechtlicher Schutz vor Altersdiskriminierung
Die Vereinigung aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen der Schweiz (VASOS), die mehr als 130 000 Mitglieder zählt, sowie die Unterzeichnenden der Petition fordern daher von Bundesrat und Parlament:

1. Nationaler Aktionsplan
Bund und Kantone erarbeiten einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung der Altersdiskrimierung und setzen ihn um. Der Plan enthält verbindliche Ziele und Zuständigkeiten.

2. Gesetzliche Grundlagen und Massnahmen
Der Bund schafft spezifische gesetzliche Bestimmungen und sieht konkrete Massnahmen vor zum Schutz vor Altersdiskriminierung – sowohl im Verhältnis zwischen Staat und Bürger:innen als auch im privaten Rechtsverkehr. Der Schutz vor Mehrfachdiskriminierung ist zu gewährleisten. Besondere Beachtung gilt asymmetrischen Machtverhältnissen, etwa im Bereich Wohnen, Pflege, Gesundheitsversorgung und Arbeit.

3. Zentrale Fachstelle Altersdiskriminierung
Der Bund errichtet eine Fachstelle auf Bundesebene, die sich gezielt mit Altersfragen befasst, über die notwendigen Fachkompetenzen verfügt und Bund sowie Kantone bei der Förderung einer altersfreundlichen, diskriminierungsfreien Gesellschaft beratend unterstützt.

Diese Petition soll dazu beitragen, dass die Schweiz ihre verfassungsmässige Verpflichtung wirksam erfüllt – im Interesse einer solidarischen Gesellschaft, die alle Generationen schützt und achtet.

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