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Das Helfen ist für mich Lebensqualität

«Ich kenne das ganze Spektrum, von der Familienfrau mit einem Mann in gehobener Position bis zur Arbeit auf der Gasse», meint Beatrice Greber im Rückblick auf ihr Leben.
«Ich kenne das ganze Spektrum, von der Familienfrau mit einem Mann in gehobener Position bis zur Arbeit auf der Gasse», meint Beatrice Greber im Rückblick auf ihr Leben.

Text und Foto: Irmgard Bayard

«Das Helfen ist für mich Lebensqualität»
Beatrice Greber war und ist noch heute in erster Linie für andere da. Sie sei ein Helfertyp, sagt die 75-Jährige von sich selbst. Und als Familienfrau mit Leib und Seele wünschte sie sich schon früh, dass diese Arbeit mehr Anerkennung erfährt. Nicht nur finanziell, sondern vor allem ideell.

(Fortsetzung)

«Mein Berufswunsch war es immer, Krankenschwester zu werden», erzählt Beatrice Greber von ihrer Jugendzeit. Da ihre Eltern fanden, sie solle möglichst schnell eigenes Geld verdienen, absolvierte sie in Luzern ein Jahr die Handelsschule. «Ich merkte aber bald, dass mir die Büroarbeit nicht liegt.» Als das Kantonsspital einen Kurs für angehende Krankenschwestern ausschrieb, meldete sie sich in ihrer Mittagspause bei der Schulleiterin. Sie werde aufgenommen, wenn sie sich umgehend entscheide, hiess es. «Bereits am selben Nachmittag ging ich zu meinem Chef und bat ihn, mich in drei Wochen gehen zu lassen. Er sagte zu, wahrscheinlich weil er froh war, dass ich gehe», sagt sie mit einem Lächeln. Die Eltern waren ebenfalls damit einverstanden, sofern sie selbst für ihren Unterhalt aufkomme. So kam es, dass sie ihren Berufswunsch erlernen konnte und schon bald Abteilungsleiterin wurde.

Schwierige Jahre in Frankreich
Nach ein paar Jahren im Spital in Luzern heiratete sie 1973 und wurde zwei Jahre später Mutter des ersten Sohnes und Familienfrau. Die erste grosse Herausforderung kam mit dem Umzug nach Lyon in Frankreich, wo sie von 1976 bis 1981 lebte und ihre beiden weiteren Kinder Nathalie (1977) und Mario (1981) zur Welt brachte. «Mein Mann hatte ein Stellenangebot und wünschte sich diesen Umzug. Also war für mich klar, dass ich mitgehe.» Sie sei anpassungsfähig und könne sich deshalb schnell auf eine neue Situation einstellen, sagt Beatrice. Etwas, das ihr immer wieder zugutekam. Allerdings war es für sie dort alles andere als einfach. «Als Landei aus dem luzernischen Rain war das Leben in der Millionenstadt nicht leicht, umso mehr, als wir lange keine Aufenthaltsbewilligung erhielten. So konnte ich meine Tochter nur als Touristin im Spital zur Welt bringen, und als Hausfrau war ich ziemlich isoliert», blickt sie auf diese Jahre zurück. Immerhin habe sie die Lebenserfahrung dieser Zeit für ihre spätere Arbeit mitnehmen können. «Ich weiss seither, wie man sich als Ausländerin in einem fremden Land fühlt.»

Eine unerwartete und ungewollte Trennung

Zurück in der Schweiz konzentrierte sie sich ebenfalls ganz auf die Familie. «Ich war immer mit Herzblut Familienfrau», betont Beatrice, «aber ich hätte mir schon sehr gewünscht, dafür etwas mehr Anerkennung zu erhalten.» Für sie war auch klar, dass sie ein Leben lang mit ihrem Mann zusammenbleiben werde. Doch das stellte sich als Wunschdenken heraus. Für den harmoniebedürftigen Ehemann war unter anderem die häusliche Situation mit drei pubertierenden Kindern eine Herausforderung. Ihr höchstes Gut, die Familie, brach auseinander. «Da gab es schon Zeiten, in denen ich sehr aufpassen musste, den Boden unter den Füssen nicht zu verlieren.»

Schwieriger Wiedereinstieg ins Berufsleben
«Der Wiedereinstieg in den Beruf nach meiner Zeit als Familienfrau war sehr schwierig», blickt Beatrice zurück. Zwar hatte sie Anfang der 90er-Jahre eine dreijährige Ausbildung in Sozialbegleitung mit Schwerpunkt Sozialpsychiatrie absolviert, aber zu dieser Zeit gab es kaum freie Stellen in der Pflege, der Ordner füllte sich mit Absagen. Das Aufgeben kam jedoch für die mittlerweile 51-Jährige nicht in Frage. Der Berufsberater riet ihr, es im Sozialen zu versuchen, da dies ein Bereich mit Zukunftschancen sei. Diesem Tipp folgte sie. Doch erst, als sie einige Aushilfsjobs vorweisen konnte, unter anderem bei einem Arzt, als Betreuerin einer Wohngruppe von psychisch Kranken sowie als Einsatzleiterin bei der Spitex, erhielt sie die Chance für eine Festanstellung.

Breites Spektrum gut ausgefüllt
Es folgte die Arbeit als Sozialpädagogische Familienbegleiterin, ein Nachdiplom mit Spezialisierung für Agogik und ihre Arbeit bei der Suchthilfe in Olten. «Ich kenne das ganze Spektrum, von der Familienfrau mit einem Mann in gehobener Position bis zur Arbeit auf der Gasse», umfasst sie einen Teil ihres Lebens. Die letzten zehn Berufsjahre begleitete sie in der Klinik Wysshölzli in Herzogenbuchsee abhängigkeitserkrankte Frauen. Eine Arbeit, die sie schätzte und die ihr einmal mehr bewusst machte, dass Gesundheit ein kostbares Geschenk ist.

Ehrenamtliches Engagement
Aber nicht nur ihr Berufsleben erfüllte Beatrice Greber mit Genugtuung und Freude. Auch in ihrer Freizeit widmete sie sich anderen Menschen und dem Gemeinwohl. Sie sass unter anderem für die SP 15 Jahre lang im Stadtrat von Langenthal, davon ein Jahr als dessen Präsidentin und somit höchste Langenthalerin und zuletzt als ältestes und am längsten tätiges Mitglied des Rates. Als Mitglied der damaligen Fürsorge- und Vormundschaftskommission wurde sie Mitglied des Stiftungsrates der Heilpädadogischen Schule (HPS) Langenthal bis hin zu dessen Präsidentin. «Mein Engagement für die HPS war gross. Diese Schule neu aufzubauen inklusive Fusion mit Huttwil war bereichernd und für mich eine Herzensangelegenheit», blickt sie auf einen weiteren Meilenstein zurück.

Einsätze für die Enkelkinder und die Mutter

Sich nach einem so grossen Einsatz für andere zurückzulehnen kommt für Beatrice Greber jedoch nicht in Frage. Genauso engagiert betreut sie regelmässig jede Woche an ein bis zwei Tagen eines oder mehrere ihrer vier Enkelkinder. Manchmal auch spontan, zum Beispiel, wenn eines ihrer Grosskinder krank ist und nicht die Kita kann. «Dann kann es vorkommen, dass ich frühmorgens zum Kinderhüten gerufen werde.»
In den Tagen, wo sie keine Enkelkinder hütet, fährt sie ins Luzernische zu ihrer 99-Jährigen, noch alleine lebenden Mutter, um diese zu unterstützen, mit ihr Einkäufe zu tätigen, den Haushalt und den Garten oder einfach den Kontakt zu pflegen. Kein Wunder also, dass sie im Gespräch kurz innehält und dann bekennt, dass sie eigentlich immer noch fünf Tage in der Woche arbeite. «Und das gerne», wie sie glaubhaft versichert.

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