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Wenn unsere Kinder andere Prioritäten setzen

Text: Barbara Bischoff

Je älter ich werde, beschäftigen mich einige Themen, die ich viel weniger gut wegschieben oder ignorieren kann als in jungen Jahren. Das Thema Umweltschutz – wie es früher genannt wurde - begleitet mich seit den 1970er Jahren. Antiatomkraft-Bewegung, Club of Rome, Autoabgase, Bleianreicherung in der Muttermilch, Waldsterben, usw. waren bereits damals Themen. Als junge Familienfrau versuchte ich, einigermassen umweltgerecht zu leben. Wir verkauften vor 50 Jahren unser Auto und fuhren prinzipiell nur mit dem ÖV. Europa bereisten wir mit dem Zug, was auch für die Kinder ein Erlebnis war. Doch stehen diese heute bezüglich Umweltschutz nicht dort, wo ich sie gerne sehen würde.

(Fortsetzung)

Wir kochten ökologisch, und die Biokiste, eine Auswahl von biologischen Lebensmitteln, hatten wir schon damals abonniert. Es brauchte aber auch stets ein Abwägen, wie viel unser Budget für die teurere Lebensweise zuliess. Es war eine stetige Gratwanderung, was den Kindern zugemutet werden konnte. Ich wollte sie ja nicht zu AussenseiterInnen machen.

Ich eckte bei einigen Nachbarn an und gebe auch zu, dass ich teilweise intolerant und stur war. Leider hat die Menschheit in den letzten 50 Jahren im Bereich Umweltschutz kaum Fortschritte gemacht, im Gegenteil: das Tempo der Umweltzerstörung hat laufend zugenommen. Es brauchte ein 14jähriges Mädchen, das dieses Thema wieder zu einem zentralen Anliegen machte. Danke Greta. Danke auch für deinen Mut, trotz der vielen Anfeindungen durch wichtige politische Grössen. Erstaunlich ist auch, wie viele Konzerne sich durch dieses Mädchen provoziert fühlten, aber sich kaum mit den von ihr geäusserten Anliegen befassen.

Vor knapp vier Jahren gab es in unserem Parlament eine grüne Welle, dank vielen jungen Menschen, die um ihre Zukunft bangen. «Friday for Future» war geboren und nicht mehr zu ignorieren. Es war für mich ein Hoffnungsschimmer, dass nun die Ausbeutung unseres Planeten, die Klimaerwärmung, die vermehrten sintflutartigen Ereignisse endlich in einen Zusammenhang gestellt wurden.

Wo stehen wir heute? Im Moment werden lieber Banken mit Steuergeldern gerettet als wirksame Strategien gegen die Erderwärmung entwickelt. Mit diesen Milliarden könnten langfristige Projekte umgesetzt werden, die auch unseren Enkeln und Urenkeln dienen würden. Unsere Lebensweise anzupassen braucht aber auch Verzicht. Aber was ist Verzicht? Brauche ich jede Saison eine neue Kleidergarderobe?
Muss ich alle Ferien im Ausland oder in einer Wellnessoase verbringen?
Bei diesen pessimistischen Gedanken möchte ich betonen, dass es immer wieder kleine Lichtblicke gibt wie Projekte durch besorgte Bürger*innen gegen Foodwaste, Thematisierung der Problematik des (zu) grossen Fleischkonsums, etc.

Und wo stehen meine erwachsenen Kinder, die ja schon von klein auf mit dem Umweltgedanken aufgewachsen sind? Leider nicht dort, wo ich sie gerne sehen würde.

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