«Solidarität statt Hetze – gemeinsam stark!» Unter diesem Motto fand dieses Jahr die 1. Mai-Feier statt. Wie wichtig - oder wichtiger denn je – dieses Zusammenstehen in der aktuellen Weltlage, aber auch in unserem Land ist, dies betonten die Rednerinnen und Redner. Von den Folgen der Streichungen nötiger Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit war von einem Nationalrat zu hören, von der Notwenigkeit einer Industriepolitik, die von der Wirtschaftspolitik verdrängt wird und von verfehlter Steuerpolitik, die sich als Kaufkraftkiller herausstellt. Eine Pflegefachfrau echauffierte sich über die Killerfragen wie «aber dein Beruf gibt dir doch so viel, warum bist du nicht zufrieden?» oder «Warum redet ihr euren Beruf so schlecht? Dann ist doch klar, dass ihn niemand mehr lernen will.» Der Beruf sei toll, bestätigte sie, sei aber im Normalfall kaum mehr zu bewältigen. Die schlechten Bedingungen seien es, weshalb rund 300 Pflegende im Monat aussteigen würden. Und damit meine sie nicht den Lohn, sondern die Anerkennung. Eine Sozialarbeiterin mit Migrationshintergrund betonte, dass auch sie ein Teil der Bevölkerung seien und denselben Lohn verdienten und mitreden möchten, was mit ihrem Steuergeld geschehe. Und ein Neu-Nationalrat stört sich daran, dass im Parlament nur wenige echte Volksvertreterinnen und -vertreter – nicht nur vom Volk gewählte, sondern auch dessen Anliegen vertretend – zu finden seien. Hanebüchen sei es, wie diese Parlamentsangehörigen mit falschen Fakten arbeiteten würden.
Was sich alle vier Personen auf dem Podium, - sowie der fünfte, inoffizielle, der das Pflegemanifest der UNIA vorstellte - wünschen, ist: Man darf nicht aufhören, miteinander zu reden, sich auszutauschen, über alle Parteien und Grenzen hinweg. Nur so stärkt man das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und damit die Solidarität. Dem kann ich mich nur anschliessen.
Ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl besteht unter den Frauen der GrossmütterRevolution und dem Team der «Frauenweis(s)heiten». Letzteres hat für euch wieder verschiedene Texte geschrieben und zusammengestellt.
Monika Fischer erzählt im Porträt von Berti Felder-Bieri, die mit 94 «noch im Schuss» ist. Barbara Bischof stellt den Lesezirkel vor und in «Aktuell» macht sich Monika Fischer aufgrund der Beerdigung von Papst Franziskus Gedanken zur Männerkirche, aber auch zu den positiven Aspekten dieser Institution. In der Rubrik «Was mich beschäftigt» berichten Barbara Bischoff, Irmgard Bayard, Monika Fischer und Marianne Stohler über die Bedeutung von Freundschaften. Irmgard Bayard stellt unter «Gesehen – gehört» die Ausstellung «Frauen(k)leben» in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern vor. Und zu guter Letzt erinnern sich im «Weisch no…» Andrea Fetz, Irmgard Bayard und Monika Fischer an Begebenheiten aus der Jugend.
Viel Vergnügen beim Lesen.
Irmgard Bayard
und das Team der Frauenweis(s)heiten Barbara Bischoff, Andrea Fetz, Monika Fischer, Bernadette Kurmann und Marianne Stohler.
PORTRÄTS: FRAUEN DER GROSSMÜTTERGENERATIONEN
Berti Felder-Bieri schreibt gerne Briefe und Karten und schätzt es, auch mit 94 Jahren noch selbständig in ihrer Wohnung leben zu dürfen.
Zufrieden und dankbar mit grossem Bekanntenkreis
Monika Fischer
«Ich bin über 90, aber immer noch im Schuss», meinte Berti Felder-Bieri am Telefon. Was das konkret heisst, erzählte sie später farbig mit kleinsten Details, schöpfte dabei aus einem Fundus an Erinnerungen und meinte: «Ich habe viel und hart gearbeitet und fühle mich nicht hochaltrig, jedenfalls geistig nicht, vielleicht um die 80, 85. Nach wie vor bin ich neugierig und am Weltgeschehen interessiert.» Sie geht fast täglich hinaus und kontrolliert mit dem Schrittzähler, ob sie 1000 Schritte gemacht hat. «Meistens sind es 5000», lachte sie zufrieden.
An der Frühlingstagung der GrossmütterRevolution vor ca. drei Jahren haben wir auf Anregung einer Teilnehmerin eine Lesegruppe gegründet. Sehr schnell interessierten sich genügend Frauen für die Lesegruppe, sodass wir bereits an der Tagung die Rahmenbedingungen festlegen konnten. Wir einigten uns auf die Themen der Bücher, die Häufigkeit und den Ort für unsere Treffen.
Die Neugier hatte mich getrieben, bei der Beerdigungsfeier für Papst Franziskus den Fernseher einzuschalten. Mit Staunen verfolgte ich den Einzug der Kardinäle in den Petersdom in Rom. Alle diese hohen kirchlichen Würdenträger in gleichen festlichen roten und weissen Gewändern! Noch einmal verabschiedeten sie sich von ihrem toten Oberhaupt im Sarg. Ebenso die vielen weltlichen Würdeträger, angeführt von Präsident Trump mit Frau Melania. Sie alle verneigten sich vor Papst Franziskus, der eine einfache Beerdigung gewünscht hatte. Für den die Würde jedes Menschen im Zentrum stand, der sich unermüdlich für die ärmsten und geflüchteten Mitmenschen und für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung eingesetzt hatte.
Der grosse Bekanntenkreis ist wertvoll. Ich definiere ihn jedoch anders als mit dem Wort Freundschaft. Das eine sind wichtige Kontakte, das andere Menschen, die mir nahestehen.
Momente der ausgelassenen Freude beim gemeinsamen Kreistanz geben Kraft für die Herausforderungen des Krieges.
Freundschaft über alle die Grenzen hinweg
Monika Fischer
Im Alter wird mir bewusst, dass ich Freundschaften zu wenig gepflegt habe. Umso mehr schätzte ich heute die im Rahmen der GrossmütterRevolution entstandenen Beziehungen unter Frauen, deren Leben von ähnlichen Lebensumständen im gesellschaftlichen Umfeld geprägt wurde und die sich für gleiche Werte einsetzen.
Meine älteste und vertrauteste Freundin begleitet mich durch mein Leben seit der gemeinsamen Gymizeit. So verschieden wie wir sind, so verschieden sind unsere Lebenswege. Eine kurze Zeit in unserem Leben haben wir uns getrennt, Haben den Weg, den die andere eingeschlagen hat, nicht mehr verstanden.
Irmgard (3. von links) und Ruth (4. von links) waren 6 Jahre lang beste Freundinnen
Freundschaften kommen und gehen
Irmgard Bayard
Meine erste Freundin von der 1. bis zur 6. Klasse hiess Ruth. Sie war es, die mich beim Sport in ihre Gruppe aufnahm, obwohl ich ungelenk war und als Mitspielerin gemieden wurde. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, teilten uns ab einer Kreuzung den Schulweg und besuchten uns gegenseitig.
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Internationalen Jahres der Frau präsentiert die Schweizerische Nationalbibliothek noch bis am 14. Juni 2025 erstmals eine Retrospektive mit einzigartigen Collagen aus dem Jahr 1975.
Aufbrechendes Leben: Früher vermittelten blühende Bäume und Wiesen rund um den Muttertag Frühlingsgefühle.
Muttertag
Monika Fischer
Wenn in den Ritzen der Natursteinmauern die ersten Blumen gelb, violett, blau und weiss leuchten und auf den Wiesen der Löwenzahn blüht, denke ich an den Muttertag meiner Kindheit. Verbunden mit einem wohligen Gefühl von Wärme und Geborgenheit.
Ein Schnitt mit dem Sackmesser und schon lief ihr das Blut über den Finger. «Du brauchst keine Angst zu haben. Es tut fast nicht weh!» Zweifelnd sah ich meine Freundin Angi an. Ich wollt unbedingt mit ihr Blutsbrüderschaft schliessen, so wie Winnetou und Old Shatterhand. Doch ich hatte schreckliche Angst. Verzweifelt machte ich einige Versuche, doch ich war zu feige. Schlussendlich kratzte ich eine alte Wunde auf und hielt sie an den blutenden Finger meiner Freundin. Was diese grosszügig akzeptierte.
Kürzlich lauschte ich den Reden an der 1. Mai-Feier in Langenthal. Wie jedes Jahr ging es um Solidarität, den Zusammenhalt, vor allem des Pflegepersonals und der Arbeiterschaft (siehe auch Einleitungstext).
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