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Die Menschenwürde im Zentrum

Text: Monika Fischer

Die Menschenwürde im Zentrum
Die Neugier hatte mich getrieben, bei der Beerdigungsfeier für Papst Franziskus den Fernseher einzuschalten. Mit Staunen verfolgte ich den Einzug der Kardinäle in den Petersdom in Rom. Alle diese hohen kirchlichen Würdenträger in gleichen festlichen roten und weissen Gewändern! Noch einmal verabschiedeten sie sich von ihrem toten Oberhaupt im Sarg. Ebenso die vielen weltlichen Würdeträger, angeführt von Präsident Trump mit Frau Melania. Sie alle verneigten sich vor Papst Franziskus, der eine einfache Beerdigung gewünscht hatte. Für den die Würde jedes Menschen im Zentrum stand, der sich unermüdlich für die ärmsten und geflüchteten Mitmenschen und für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung eingesetzt hatte.

(Fortsetzung)

Diese reine Männerkirche: Es war für mich ein Bild des Mittelalters, ebenso irritierend wie faszinierend. Denn sie hatte nicht nur männliche Würdenträger aus allen Kulturen und Sprachen, sondern auch zahlreiche politische Amtsträger zusammengebracht. So zeigten die lateinische Sprache und die vertrauten Rituale ihre Berechtigung. Obwohl ich den Fernseher bald wieder ausgeschaltet hatte, beschäftigt mich dieser fast in die ganze Welt ausgestrahlte Anlass weiterhin. Er zeigte, dass die oft totgesagte katholische Kirche eben doch ihre Bedeutung hat.

Doch was hätte wohl der einfache Wanderprediger Jesus, auf dessen Evangelium der Nächstenliebe sich diese Kirche beruft, zu dieser Demonstration von Macht und Reichtum gesagt? Verständlich, dass sich viele Menschen auch wegen der Missbrauchsfälle und ihrer Vertuschung von ihr abwenden. Ich mache es (noch) nicht, obwohl das Leben einer meiner Brüder durch einen sexuellen Missbrauch des Vikars in der Jugend zerstört worden war. Einen sexuellen Missbrauch hatte jedoch eine seiner Partnerinnen durch den Bruder, eine andere durch den Vormund erlebt. Bei einer Cousine war es der Trainer. Ausdruck einer patriarchalen Gesellschaft, beherrscht von der Macht der Stärkeren.

Es gibt auch andere Kirchen
Doch leider geht oft vergessen, dass es auch eine andere Kirche gibt. Eine Kirche der Basis, in der sich Frauen und Männer gemeinsam für ein gutes Leben für alle und für die Sorge um die Natur einsetzen. Es war vor über zwanzig Jahren, als mich der Pfarrer eines Landstädtchens rund um den Elisabethentag im November bat, die Sonntagspredigt zu halten. Grund war wohl meine Mitarbeit beim Schweizerischen Katholischen Frauenbund, in dessen Auftrag ich in Ländern des Südens Projekte des Elisabethenwerks «Von Frauen für Frauen» besucht hatte. Ich sagte mit leichtem Bangen zu, war ich doch strenggenommen als geschiedene und wieder verheiratete Frau kein vollwertiges Mitglied der katholischen Kirche mehr. Ungeachtet dessen insistierte der Priester darauf, dass ich partnerschaftlich neben ihm einziehe und stellte mich als Predigerin vor. Unter dem Begriff der Solidarität im Sinne christlicher Nächstenliebe berichtete ich, wie das Leben mancher Frauen in Indien und in Afrika dank der unterstützten Projekte nachhaltig verbessert werden kann.

Nach dem Gottesdienst reichte mir eine der jungen Ministrantinnen dankend die Hand, es sei sehr interessant gewesen. So habe ich die Kirche von unten immer wieder partnerschaftlich und engagiert erlebt und sorge mich deshalb darum, wenn ihr die Mitglieder davonlaufen und das Geld für ihr Wirken im Einsatz für die benachteiligten Menschen, für die Jugendarbeit, für die Unterstützung und Begleitung von kranken und sterbenden Menschen fehlen wird.

Neben vielen Fragen und Zweifeln rund um die Kirche beeindruckten mich die Ausführungen von Daniel Binswanger vom 26. April 2025 in der «Republik» mit dem Titel «Der Papst der Menschenwürde.» Er beschreibt darin Papst Franziskus als ambivalente Figur, der mit aller Macht einen ethischen Universalismus predigte und ein kompromissloser Verteidiger der Schwachen, der Schutzbedürftigen, der Heimatlosen und der Unantastbarkeit der Menschenwürde gewesen sei. Seine Botschaft sei in der heutigen Welt wichtiger denn je, wie er dies auch mit seiner klaren Stellungnahme in seinem Brief an die us-amerikanischen Bischöfe gezeigt habe.

Diese Stimme wird in Zukunft fehlen.

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