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Meine Freundin Angi

Andrea und Angi in jungen Jahren
Andrea und Angi in jungen Jahren

Text: Andrea Fetz

Meine Freundin Angi
Ein Schnitt mit dem Sackmesser und schon lief ihr das Blut über den Finger. «Du brauchst keine Angst zu haben. Es tut fast nicht weh!» Zweifelnd sah ich meine Freundin Angi an. Ich wollt unbedingt mit ihr Blutsbrüderschaft schliessen, so wie Winnetou und Old Shatterhand. Doch ich hatte schreckliche Angst. Verzweifelt machte ich einige Versuche, doch ich war zu feige. Schlussendlich kratzte ich eine alte Wunde auf und hielt sie an den blutenden Finger meiner Freundin. Was diese grosszügig akzeptierte.

(Fortsetzung)

Begonnen hat unsere Freundschaft vier oder fünf Jahre früher. Ich war, eben 4-jährig geworden, mit meiner Familie an die Oberalpstrasse in Basel gezügelt. Ich wollte die Umgebung erkunden und stiess an der Ecke auf ein gleichaltriges Mädchen. Wir schauten uns erstaunt an. Offensichtlich war die Begutachtung positiv ausgefallen; wir wurden Freundinnen. Die Kindergartenjahre und die Primarschule verbrachten wir in der gleichen Klasse.

Angi wohnte eine Parallelstrasse weiter und wir beknieten unsere Eltern über Jahre erfolglos, uns ein Seil zwischen unseren Mansarden und über die Gärten hinweg zu spannen. So, dass wir uns mit einem Korb Botschaften hätten senden können. Umso häufiger spielten wir in den Gärten. Mit Stühlen und Decken bauten wir ein Zelt und nisteten uns dort ein. Manchmal durften wir unser Mittagessen dorthin verlegen und einmal sogar darin übernachten.

Ausflug über die Grenze
Nach der Veloprüfung in der Primarschule erlaubten uns unsere Eltern Ausflüge mit dem Fahrrad. Wir beschlossen in Richtung Allschwiler Wald zu fahren, eine Strecke, die uns sehr vertraut war. Radelnd kamen wir schnell vorwärts, schlugen neue Feldstrassen ein. Nach einiger Zeit wurden wir von zwei uniformierten Männern angehalten. Wir waren sehr verunsichert, da wir uns keiner Verkehrsübertretung bewusst waren. Sie fragten uns, woher wir kämen und wohin des Weges. Das Schmunzeln auf ihrem Gesicht wurde immer breiten. Bis sie uns verrieten, dass wir uns aktuell in Frankreich befänden und es doch besser wäre, auf gleichem Wege wieder zurückzufahren.

Angelas Mutter war eine wunderbare Hausfrau. Wenn ich bei ihr spielen durfte, gab es regelmässig fantastische z’Vieris wie Reisspudding oder Schoggicrème. Wenn ich zum Nachtessen eingeladen war, durfte ich das Menu wählen. Meine Antwort war regelmässig: belegte Brötli. Denn diese Vielfalt an Herrlichkeiten kam bei meiner berufstätigen Mutter nicht auf den Tisch.

Einmal waren wir bei mir zuhause. Meine Schwester und ich hatten in unserem Zimmer ein großartiges Spiel erfunden. Über die Tablare des offenen Schranks kletterten wir auf dessen Dach, um von dort auf das Bett zu springen. Ein Riesengaudi! Bis Angi sich beim Hochklettern zu weit nach hinten lehnte. Der Schrank wackelte verdächtig und ich sah ihn schon auf mich und meine Freundin stürzen. Im letzten Moment warf sich Angi gegen den Schrank und rettete somit uns beide.

Als Erwachsene wohnte ich im Tessin und auch hier hatten wir immer wieder Kontakt. Und Angi ist die Gotte meiner Tochter geworden. Auch wenn sich unsere Leben manchmal voneinander entfernt hatten, fanden wir immer wieder zueinander und geniessen noch heute den gegenseitigen Austausch. Und wie Ingrit Riederl so schön sagt: Geschwister und Freundinnen sind diejenigen, die unsere Kindheit - auch im Alter - lebendig erhalten.

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