Text: Barbara Bischoff
Was sind für mich Freundschaften?
Der grosse Bekanntenkreis ist wertvoll. Ich definiere ihn jedoch anders als mit dem Wort Freundschaft. Das eine sind wichtige Kontakte, das andere Menschen, die mir nahestehen.
(Fortsetzung)
Ich habe einen grossen Bekanntenkreis. Manche Frauen (wenige Männer) treffe ich monatlich und andere nur einmal jährlich. Diese Frauen, welchen ich sehr gerne begegne, um mit ihnen einige Stunden zu verbringen, betrachte ich als gute Kolleginnen oder Bekannte. Die meisten sind in einem ähnlichen Alter, einige aber auch bedeutend jünger, so dass ich vom Alter her ihre Mutter sein könnte. Aber alle diese Kontakte sind mir wichtig. Der Austausch mit diesen Frauen, welche teilweise ein komplett anderes Leben als ich führen, bereichert mich und ich habe damit auch Einblick in andere Lebensformen.
Echte Freundschaften definiere ich anders. Das sind Menschen, welche mir sehr nahestehen. Wir tauschen uns über fast alle Themen aus, welche uns beschäftigen.
Ich gebe mir keine Blösse, wenn ich ihnen auch etwas erzähle, das peinlich sein könnte. Ich werde nicht komisch angeschaut, wenn ich etwas Unverständliches erzähle. Ich bekomme ein Feedback, wenn ich es brauche, werde aber nicht mit guten Ratschlägen zugedeckt. Einmal brauche ich mehr Unterstützung, einmal gebe ich diese der Freundin. Es braucht keine Ausgewogenheit, sie stimmt einfach.
Mit diesen Freundinnen bin ich stets in Kontakt. Es gibt Situationen, wo ich das Bedürfnis habe, ihnen etwas umgehend mitzuteilen. Manchmal sind das Kleinigkeiten, welche mich im Moment sehr beschäftigen. Es kann aber auch sein, dass wir uns über längere Zeit weder sehen noch telefonieren.
Ich habe keine beste Freundin, die mich seit meiner Kindheit begleitet. Meine Freundschaften wuchsen im Laufe der Zeit. Einige kenne ich seit meiner Berufszeit, andere lernte ich über Bekannte kennen oder erst, wie kürzlich, in der Nachbarschaft.
Gute Freundinnen habe ich auch im Laufe der Zeit verloren. Sie haben mich in einer bestimmten Lebensphase begleitet und mir sehr viel bedeutet. Irgendwann verloren wir uns aus den Augen, da sich unsere Lebensumstände verändert haben.
Im Alter habe ich wieder vermehrt Kontakt mit ehemaligen Schulfreundinnen. Auch wenn wir uns über 40 oder sogar 50 Jahre nicht mehr gesehen haben, fanden wir uns im Alter wieder. Mir scheint, dass der gemeinsame «Boden» unserer Kindheit das möglich machte. Da beginnen die Gespräche oft mit den gemeinsamen Erlebnissen, es ist aber auch die Gegenwart und die Zukunft, die für anregenden Austausch sorgt.
In meinem Alter gibt es aber auch Freundschaftsverluste durch Krankheiten oder Tod. Das ist hart und macht nachdenklich über die eigene verbleibende Zukunft, aber auch das gehört zum Leben. Bleibend sind die Erinnerungen und guten Gefühle an die gemeinsame Zeit.
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