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Frauenpower im Grossmutteralter

Frauen des Regioforums Zentralschweiz tankten Kraft beim Heilmandala im Garten von Marietta und Bruno Kneubühler in Willisau.
Frauen des Regioforums Zentralschweiz tankten Kraft beim Heilmandala im Garten von Marietta und Bruno Kneubühler in Willisau.

Text und Fotos: Monika Fischer

An einem sonnigen Frühlingstag im April reiste eine Delegation des Regioforums Zentralschweiz auf Einladung von Mitfrau Marietta Kneubühler-Kunz nach Willisau. Am Vormittag gab die Familienfrau, Künstlerin und Aktivistin in ihrem Haus und Atelier Einblick in ihr vielseitiges Schaffen und Wirken. Am Nachmittag tauschten sich die Frauen der GrossmütterRevolution mit Frauen aus der Region über die Solidarität unter Frauen aus.

(Fortsetzung)

Nach einem herzlichen Empfang erzählte Marietta Kneubühler aus ihrem vielseitigen, engagierten Leben. Auf einem Bauernhof in einer Grossfamilie aufgewachsen, hatte sie nach der Bäuerinnen- die Kunstgewerbeschule besucht und später mit ihrem Mann die Berufs- und Familienarbeit beim gemeinsamen Restaurieren und Bemalen alter Möbel geteilt. Weitere Erfahrungen gewann sie nach der entsprechenden Ausbildung in ihrem Beruf als Kunsttherapeutin. Marietta streifte auch ihr Engagement als Initiantin erfolgreicher Projekte. Für den Arbeitskreis Umwelt hielt sie zahlreiche Vorträge zum Thema «Häb Sorg zom Wasser», baute mit gleichgesinnten Frauen eine Begleit- und Sitzwachgruppe und später die Handauflege-Gruppe auf.

Der Gang durch Haus und Atelier bot den Gästen einen Einblick in ihr vielfältiges Schaffen. Dazu gehörten kunstvoll bemalte alte Bauernmöbel, Ölbilder mit Blumen und blühenden Bäumen, feine Aquarelle und Holzschnitte ebenso wie selber bemalte Kacheln und geschnitzte Stühle. Die fünffache Mutter bezeichnete das Malen mit Motiven aus der Natur als Meditation, woraus sie Kraft schöpfe für ihr weiteres Engagement.

Beim Gang durch Haus und Atelier...
Beim Gang durch Haus und Atelier...
bestaunten die Gäste das vielfältige Schaffen der Künstlerin Marietta Kneubühler-Kunz
bestaunten die Gäste das vielfältige Schaffen der Künstlerin Marietta Kneubühler-Kunz

Für ein gutes Leben
Nach einer köstlichen Gemüsesuppe dislozierte die Gruppe ins katholische Pfarreizentrum Maria Magdalena im Städtchen Willisau. Dort trafen sie fünfzehn Frauen aus der Region, darunter eine Stadträtin, die der Einladung von Ursula Bachmann und Marietta Kneubühler zu einem Austausch über Solidarität unter Frauen gefolgt waren. Vorstandsmitglied Veronika Bossard, Claudia Küttel und Monika Fischer stellten die GrossmütterRevolution vor. Die soziale Bewegung wurde vor 16 Jahren vom Migros Kulturprozent initiiert und besteht seit vier Jahren als unabhängiger Verein. Frauen im Grossmütteralter mit und ohne Kinder setzen sich in selbstorganisierten Arbeitsgruppen und Regioforen mit Themen auseinander, die sie beschäftigen. Als erste Generation, die von einem längeren Grossmutteralter profitieren kann, möchten sie selbstbestimmt die Gesellschaft und das Alter mitgestalten. Die Revolution verstehen sie in wahren Sinn des Wortes als Veränderung mit dem Ziel eines guten Lebens auch für die Enkelgeneration. Wichtig ist ihnen dabei unter anderem ein anderer Stellenwert der weiterhin vor allem von Frauen unentgeltlich geleisteten Care-Arbeit, die von der Geburt bis zum Tod jedes Menschen unerlässlich ist. Dafür setzen sie sich in Aktionen und zur Unterstützung der jungen Frauen auch mit der Teilnahme am Frauenstreik ein. Dabei erfahren sie immer wieder, welch enorme Kraft aus dem gemeinsamen Einsatz wächst.

Andere Lebenserfahrung
In zwei Gruppen diskutierten die Anwesenden über das, was sie verbindet und über gemeinsame Anliegen. Mehrere Frauen hatten in ihrem Leben vergebens nach einem verbindenden Element unter Frauen gesucht und mehr Konkurrenz als Solidarität erlebt. Sie fragten sich, ob das im Alter anders sein könne. Andere Teilnehmerinnen berichteten von der nach wie vor fehlenden Gleichberechtigung auf Augenhöhe. Es zeigte sich: Frauen haben einen anderen Background, eine andere Lebenserfahrung. Es gibt nach wie vor viel Gesprächsbedarf unter Frauen. Sie brauchen einen geschützten Rahmen, um offen und ohne Bewertung zu üben, für sich hinzustehen und etwas einzufordern. Im Hinblick auf eine Verbundenheit und Solidarität unter Frauen sei es entscheidend, das Gemeinsame zu suchen, sich gegenseitig zu bestärken, wertzuschätzen und zu unterstützen.

Der Austausch zum Thema «Solidarität unter Frauen» setzte viel Energie frei.
Der Austausch zum Thema «Solidarität unter Frauen» setzte viel Energie frei.

Ideen entwickeln und Solidarität leben
Entscheidend sei immer wieder ein Perspektivenwechsel. Es heisse, anstelle des Negativen das Gelingende ins Zentrum zu stellen und unsere Möglichkeiten, unser Engagement als Stein zu sehen, der ins Wasser geworfen wird und Wellen wirft. Nach wie vor sei viel zu tun, stehen wir doch in einer Generationenfolge: Unsere Grossmütter haben uns gelehrt, aus- und durchzuhalten. Nun gehe es darum, die Resilienz an die Töchter- und Enkelinnengeneration weitergeben.

Beim Abschluss des Austauschs zeigten sich durchwegs aufgestellte Gesichter. Die Teilnehmerinnen waren erstaunt über Vielfalt der Frauen und die Kraft und Energie, die der Nachmittag ausgelöst hatte. «Wir brauchen weiterhin Frauenräume, in denen wir uns ohne Konkurrenz und zu bewerten austauschen, in denen wir Ideen entwickeln und Solidarität leben können», war zu hören, und die Anwesenden waren überzeugt: «Wir haben der aktuell düsteren Weltlage etwas entgegenzusetzen. Zusammen sind wir stark, Frauenpower verbreitet eine positive Energie. Es war eine wunderbare Erfahrung. Wir sitzen alle im gleichen Boot und rudern weiter Richtung Alter.» Als Zeichen der Verbundenheit knüpften die Anwesenden Bänder aus verschiedenen Farben zusammen, von dem sie als Erinnerung ein Stück mit einem aus zwei Farben geknüpften Knoten nach Hause nehmen konnten.

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