Text: Irmgard Bayard
Das Alterszentrum Haslibrunnen in Langenthal lädt die Bevölkerung immer wieder zu interessanten Anlässen und Vorträgen ein. Kürzlich erläuterte Riccardo Pardini, Senior Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Sozialpädagogik und Sozialpolitik der Hochschule für Soziale Arbeit in Luzern, Erkenntnis zum Thema «Wohnen im Alter – Möglichkeiten und Perspektiven.»
(Fortsetzung)
Seinen Vortrag eröffnete Riccardo Pardini mit interessanten Statistiken (Vergleiche der Jahre 2003 und 2023). Danach leben heute 38% der 65 – 79-Jährigen allein (2003: 28%) bei denjenigen im Alter von 80+ sind es 53% (42%). Die Anzahl der alleinlebenden Frauen ist höher, die Männer holen jedoch auf. Was die Statistik auch zu Tage bringt: Die Qualität und Zufriedenheit der Wohnumgebung hat sich in den 20 Jahren verschlechtert. Bemängelt werden schlechter ÖV und Einkaufsmöglichkeiten vor allem in ländlichen Gebieten in kleinen Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohner:innen, höhere Lärmbelastung und beschwerlicherer Zugangsweg zu der Wohnung. Trotz diesen Mängeln am bestehenden Wohnort ist ein Interesse an einem Umzug in neugebaute Wohnung gesunken, 57 Prozent lehnen einen solchen ab.
Vorstellbare Wohnoptionen
Die Studie zeigt zudem die grossen Unterschiede der vorstellbaren Wohnoptionen: In eine kleinere Wohnung umziehen nennen 19% (29%) als Möglichkeit, eine spezielle Alterswohnungen (mit Ansprechpersonen) 40% (26%). Alterswohngemeinschaften, Hausgemeinschaften und generationengemischtes Wohnen hingegen finden wenig Zuspruch. Auffallend auch, dass sich heute 26% der Befragten das Wohnen im Alters- und Pflegeheim vorstellen können, 2003 waren es lediglich 16%.
Als Zwischenfazit zu den Wohnverhältnissen im Alter kristallisiert sich gemäss Pardini folgendes heraus: «Der Wunsch, möglichst lang zu Hause zu bleiben, hält an. Die Wohnzufriedenheit ist hoch, aber wir sehen 2023 erste Risse. Die Wohnumgebung wird kritischer bewertet und Pflegeheime finden wieder vermehrt Akzeptanz.» Allerdings sei ein Wechsel erst dann vorstellbar, wenn es nicht mehr anders gehe.
Das selbstbestimmte Wohnen zu Hause scheitert gemäss Pardini an drei Dimensionen: Räumlich-baulich: keine hindernisfreien Wohnungen, schlechte Infrastruktur (ÖV, Einkauf, Hausarzt). Ökonomisch: Neubauwohnungen sind zu teuer, zu wenig Mittel für Wohnanpassungen und Dienstleistungen. Lebenssituationsspezifisch: Vulnerabilität durch Gesundheit, soziale Isolation, fehlendes Know-how.
Perspektiven und Lösungsansätze
Pardini nennt drei Perspektiven. 1. Revision Ergänzungsleitungen für betreutes Wohnen. Bis heute können sich EL-berechtigte Senior:innen Dienstleistungen und betreute Wohnangebote kaum leisten. Ab spätestens 2028 finanzieren alle Kantone bestimmte Betreuungsleistungen aus den Ergänzungsleistungen. Neu werden Leistungen wie Notrufsystem, Haushaltshilfe, Mahlzeitendienst, Fahr- oder Begleitdienst, Kostenvergütung von Wohnanpassungen (z.B. Schwellen, Handläufe) anerkannt.
2. Mobile Altersarbeit: Sozialraum stärken. Die mobile Altersarbeit geht dorthin, wo ältere Menschen wohnen. Sie helfen beim Beziehungs- und Vertrauensaufbau, vermitteln Informationen und Vernetzen die Menschen.
3. Pflegeheime neu denken. Diese sollen durch ihre räumliche Gestaltung und Öffnung zum Quartier Selbstbestimmung und Wohnlichkeit ins Zentrum stellen. Etwas übrigens, dass sich die Alterszentrum Haslibrunnen AG auf die Fahne geschrieben hat und laufend umsetzt.
Das Fazit von Riccardo Pardini: «Es braucht Gestaltungswillen – durch Politik, Altersarbeit und Institutionen gemeinsam.»
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