Schliessen

Frauenweis(s)heiten im September

Hanne Müller ist 74. Sie wurde mit der Erbkrankheit Osteogenesis Imperfekta oder Glasknochenkrankheit geboren. Sie schätzt die Freiheit, ihr Leben trotz körperlicher Behinderung selber zu gestalten. Bis zur Pubertät hatte sie rund 50 Brüche, dennoch blickt sie auf eine glückliche Kindheit zurück. Ihre Eltern und die Umgebung hätten sie stets so akzeptiert, wie sie ist. „Das Gefühl, wertvoll zu sein, war die Grundlage für mein Selbstbewusstsein.“ Dass sie im Strassenbild auffällt, stört Hanne nicht. Der optische Eindruck irritiere die Menschen, aber das verschwinde, „wenn wir uns von Mensch zu Mensch begegnen.“ Aus dem Glauben schöpft sie Kraft: «Es muss etwas geben, das gerade ich erfüllen muss auf dieser Welt“, sagt die erstaunliche, mutige Frau.

Das Bild mit den fünf strahlenden Männern nach der Regierungsratswahl im Kanton Luzern ertrug Bernadette Kurmann diesen Frühling fast nicht. „Warum um Himmels Willen ist in der heutigen Welt die Hälfte der Bevölkerung eines Kantons in einem so wichtigen Gremium nicht vertreten?“, fragte sie sich verzweifelt. Dann kam sie ins Gespräch mit der 35jährigen Grünen, die im Wahlkampf unterlegen war. Sie schreibt ihr, was in ihrem Wahlkampf wirklich wichtig war, und warum sie weitermacht. Ermutigend.

In der Regel wird der Stammbaum von Männern geliebt und gehegt. Frauen lässt er meistens kalt, sie kümmern sich kaum darum. Der Grund dafür ist nachvollziehbar. In der Vergangenheit diente er vor allem zur Erb- und Nachfolgeregelung. Berücksichtigt wurden die männlichen Nachkommen, vor allem der älteste Sohn. Jetzt ist dem Stammbaum der Untergang angesagt. Die neuen Familienrealitäten wie Patchwork-Familien, das neue Namensrecht, die vielen Ausländerehen usw. sprengen das System. Für die Männer zum Heulen, für die Frauen ist das ok.

Monika Fischer und Bernadette Kurmann

Kontakt
Monika Fischer
fischerabt@bluewin.ch

PORTRÄTS: FRAUEN DER GROSSMÜTTERGENERATION
Hanne Müller, Pionierin der Behindertenbewegung, hat mit ihrem Schicksal nie gehadert.
Hanne Müller, Pionierin der Behindertenbewegung, hat mit ihrem Schicksal nie gehadert.

Gönne dir täglich etwas, das dich freut

Foto und Text: Monika Fischer

Im anregenden Gespräch mit Hanne Müller (74) über Gott und die Welt verliert alles Äusserliche seine Bedeutung. Vielseitig interessiert, hält sie sich über Zeitungen und Fernsehen auf dem Laufenden und mischt sich bei Bedarf engagiert ein. Sie schätzt die Freiheit, das Leben selber zu gestalten und ist dankbar für alles, was sie trotz körperlicher Behinderung erreichen konnte. Als religiöser Mensch hat Hanne Müller mit ihrem Schicksal nie gehadert und Kraft aus dem Glauben gefunden. Ebenso wichtig ist für sie, im Leben einen Sinn zu sehen. «Es muss doch einen Sinn haben, dass ich trotz anderer Prognosen so alt wurde. Es muss etwas geben, das gerade ich erfüllen muss auf dieser Welt. Zu erkennen, was es ist, gibt mir Energie und Freude, das Leben mit allen Schattierungen zu leben.»

Weiterlesen
WAS UNS BESCHÄFTIGT

Das Ende einer phallischen Metapher

Bernadette Kurmann

Ich war noch nie ein Fan von Stammbäumen. Sie sind Männersache. Frauen erscheinen darin nur als Staffage. Die Linie der Männer wird weitergezogen, die Frauen verlieren sich, nachdem sie ihre Aufgabe des Kindergebärens erfüllt haben. Er diente in der Vergangenheit vor allem zur Erb- und Nachfolgeregelung. Jetzt ist dem Stammbaum der Untergang angesagt. Und ich bin nicht unglücklich darüber.

Weiterlesen
AKTUELL

Wir müssen dran bleiben

Bernadette Kurmann

Es fühlte sich so schmerzhaft an wie damals, als ich als Teenager begriff, dass mein Bruder abstimmen darf, mir das aber verboten sein sollte. Ich war weder begriffsstutzig noch dümmer als er, aber abstimmen und wählen durfte ich als Frau nicht. In der Zwischenzeit sind beinahe 50 Jahre verstrichen, die Frauen erhielten das Stimm- und Wahlrecht, das neue Eherecht befreite sie aus der Abhängigkeit des Mannes, aber die Stimmbürgerinnen und –bürger des Kantons Luzern wählten vor acht Jahren fünf Männer in den Regierungsrat. Das Bild mit den fünf strahlenden Männern ertrug ich fast nicht. Es war zum Ko…. Die Frage drehte sich mir im Kopf: Warum um Himmels Willen ist in der heutigen Welt die Hälfte der Bevölkerung eines Kantons in einem so wichtigen Gremium nicht vertreten?​

Weiterlesen

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um das Nutzererlebnis auf unserer Website zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies und ähnlichen Technologien zu. Mehr erfahren