Text: Irmgard Bayard
Foto: Frauenzentrale Bern
In der Schweiz gibt es 17 Frauenzentralen. Ihr gemeinsames Ziel ist die tatsächliche Gleichstellung aller Menschen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Gemeinsam bilden sie die Konferenz der Frauenzentralen. Jede Frauenzentrale ist eigenständig und hat ihre eigene Ausrichtung. Schwerpunkte sind die Durchführung von Beratungen, Kursen, Weiterbildungen und Netzwerkanlässen. Zudem führen sie teilweise politische Kampagnen durch.
(Fortsetzung)
Um etwas konkreter auf die Arbeit hinweisen zu können, wird hier das Beispiel der Frauenzentrale Kanton Bern erläutert. «Alle unsere Beratungsangebote richten sich sowohl an Frauen als auch an Männer», erklärt auf Anfrage Geschäftsführerin Yvonne Zimmermann. «Eine klare Mehrheit ist jedoch weiblich, mittleren Alters mit der Absicht sich zu trennen. In die Vorsorgeberatung kommen auch vor allem Frauen, die eine unabhängige Einschätzung ihrer Vorsorgesituation wünschen. Die meisten trauen den Banken bzw. Versicherungen nicht und suchen eine unabhängige Auskunft.» Die Budgetberatung werde sowohl von Einzelpersonen als auch von Familien genutzt. «Oftmals wäre es gut, die Ratsuchenden würden etwas früher vorbeikommen, um Schulden zu vermeiden», so Yvonne Zimmermann. Das häufigste Problem seien Steuern und Krankenkassenprämien. Oftmals werde zudem das Thema Vorsorge nicht mitgedacht.
Wie eine solche Beratung ablaufen kann, schildert Yvonne Zimmermann anhand von Beispielen aus der Praxis.
Fallbeispiel: Gemeinsam aus der finanziellen Not – Frau B. findet zurück in die Stabilität
Frau B., alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, wandte sich in einer sehr belastenden Lebenssituation an die Frauenzentrale Kanton Bern. Nach der Trennung vom Partner stand sie plötzlich alleine da – mit vielen Fragen, Unsicherheiten und wachsendem finanziellen Druck. Die Miete war kaum mehr bezahlbar, unbezahlte Rechnungen häuften sich, und die Zukunft erschien unüberschaubar.
In einem ersten Schritt nahm Frau B. unsere Budgetberatung in Anspruch. Gemeinsam mit unserer Beraterin verschaffte sie sich einen Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben. Wir halfen ihr dabei, ein realistisches Budget zu erstellen, unnötige Ausgaben zu identifizieren und Möglichkeiten für Einsparungen zu finden. Zum ersten Mal seit Langem hatte sie das Gefühl, ihre Finanzen wieder besser steuern zu können.
Gleichzeitig ergaben sich viele rechtliche Fragen, etwa zur Unterhaltsregelung und zum Sorgerecht. In der Rechtsberatung klärten wir mit ihr ab, welche Ansprüche sie und ihre Kinder gegenüber dem ehemaligen Partner hatten und wie sie diese durchsetzen kann. Unsere Juristin zeigte ihr auf, wie sie die nächsten Schritte rechtssicher angehen kann.
Damit sie sich langfristig absichern konnte, nutzte Frau B. auch unsere Vorsorgeberatung. Hier erhielt sie konkrete Tipps, wie sie trotz knapper Mittel fürs Alter vorsorgen und sich gegen Risiken wie Erwerbsunfähigkeit absichern kann.
Besonders entlastend war für Frau B. schliesslich die Unterstützung durch unser Alimenteninkasso. Wir übernahmen die Geltendmachung und den Einzug der fälligen Unterhaltsbeiträge. Das gab ihr Sicherheit und sorgte dafür, dass regelmässig Geld für die Kinder eintraf.
Heute blickt Frau B. zuversichtlich in die Zukunft. Sie hat wieder mehr Kontrolle über ihr Leben, kann ihren Kindern Stabilität bieten und weiss, wo sie sich Hilfe holen kann, wenn neue Herausforderungen auftauchen. Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig ganzheitliche Unterstützung in schwierigen Lebenslagen ist – und wie viel möglich wird, wenn Beratung, Verständnis und Fachwissen zusammenkommen.
Beispiel Budgetberatung
Familie Wenger* lebt mit ihren zwei Kindern in einer Mietwohnung in Burgdorf. Luca arbeitet 80 % als Versicherungsfachmann, Anna 40 % als kaufmännische Angestellte. Auf den ersten Blick reichte das Einkommen gut – doch hohe externe Betreuungskosten für die Kinder, kombiniert mit unregelmässigen Ausgaben wie Zahnarztkosten, Steuern, Autoreparaturen oder Krankenkassenfranchisen, brachten das Budget immer wieder aus dem Gleichgewicht.
«Wir hatten keine Rückstellungen für solche Kosten und lebten von Monat zu Monat. Wenn dann mehrere Rechnungen gleichzeitig kamen, wurde es richtig eng», erzählt Anna. Über ihre Gemeinde erfuhren die Wengers von der Budgetberatung der Frauenzentrale Kanton Bern. Gemeinsam mit einer Beraterin nahmen sie ihre Einnahmen und Ausgaben genau unter die Lupe. Sie fanden heraus, wie viel pro Monat realistisch für Fixkosten gebraucht wird – und wie wichtig es ist, einen festen Betrag für unregelmässige Ausgaben beiseitezulegen.
Beispiel Vorsorgeberatung
Claudia Zimmermann* lebt im Konkubinat und ist 52 Jahre alt und arbeitet seit vielen Jahren 40 % als medizinische Praxisassistentin. Sie war immer berufstätig, aber oft in Teilzeit – während der Familienphase auch mit längeren Unterbrüchen. An die eigene Altersvorsorge hatte sie dabei kaum gedacht.
Als sie sich von ihrem Partner getrennt hat, hat sie begonnen, über ihre Vorsorge nachzudenken, tauchten viele Fragen auf: Reicht meine AHV später zum Leben? Wie hoch wird meine Pensionskasse sein? Habe ich überhaupt noch Möglichkeiten, Lücken zu schliessen?
Über eine Bekannte hörte sie von der Vorsorgeberatung der Frauenzentrale Kanton Bern. Gemeinsam mit der Beraterin sichtete sie ihre Unterlagen zu AHV, Pensionskasse und privater Vorsorge. Dabei zeigte sich: Durch die Teilzeitarbeit und Unterbrüche gab es Beitragslücken in der AHV und weniger angespartes Kapital in der zweiten Säule.
Die Beraterin erstellte für sie einen Überblick über ihre voraussichtlichen Renten, erklärte verständlich die Möglichkeiten zur Schliessung von Lücken und gab konkrete Tipps, wie sie ihre Vorsorge noch verbessern kann.
Diese Beispiele zeigen eindrücklich, wie hilfreich ein Gang zu einer Fachstelle, in diesem Fall zur Frauenzentrale, ist.
Eine Übersicht über die einzelnen Frauenzentralen in den Kantonen gibt es unter www.frauenzentrale.ch.
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