Schliessen

Gottes Mühlen mahlen langsam

Text: Regula Matasci-Brüngger, Bearbeitung Monika Fischer

«Warum immer wieder dasselbe Thema behandeln, es verändert sich ja doch nichts.» Solchen resignierten Sätzen können wir den Kampf der Frauen im Fussball oder das unermüdliche Dranbleiben von Frauen im Einsatz fürs Frauenstimmrecht entgegensetzen. Die Reaktion von Regula Matasci auf die letzten Frauenweis(s)heiten zeigt, wie lange Frauen sich schon mit einer Bewertung der Hausarbeit und ihrer Aufnahme ins Bruttosozialprodukt einsetzen.

(Fortsetzung)

Regula Matasci schrieb: «Gestern Nacht, während es draussen regnete - endlich - las ich die Frauenweis(s)heiten Juli 2025. Wirklich spannend. Das Thema «Care» hat mich bisher theoretisch nicht sonderlich interessiert. Aber seit Kappel ist dies anders! Dies bewog mich, in meinen Büchergestellen nach etwas längst Vergangenem zu suchen und siehe, es gab sie noch: Die Broschüre «Die Bewertung des Arbeitsplatzes in privaten Haushalten», herausgegeben 1977 von der Stiftung zur Erforschung der Frauenarbeit und dem Bund schweizerischer Frauenorganisationen. In Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe von sieben Frauen war dies mein Einstieg ins Berufsleben. Wenn ich zurückdenke, war dieses Projekt revolutionär. Ich hänge den Scan des Vorwortes an. Die Studie hat bewirkt, dass ab dann Versicherungen und Gerichte der Haushaltarbeit einen Geldwert gaben, das Bundesgericht 1983, 15.- Fr/Stunde.»

Aus dem Vorwort von 1977
«Es ist eine Tatsache, dass die Arbeit im privaten Haushalt unterbewertet und auch nicht bezahlt wird, sobald sie von der Hausfrau oder einem anderen Mitglied der Familie ausgeführt wird nach dem Motto «Was nichts kostet, ist nichts wert». Damit werden die Arbeiten im Haushalt von der Gesellschaft in der Regel zu niedrig eingestuft. Volkswirtschaftlich zählen die Hausfrauen und Hausmänner zur inaktiven Bevölkerung, ihre Arbeitsleistungen werden nicht ins Bruttosozialprodukt einbezogen. Versicherungen vermissen verbindliche Daten, sobald es darum geht, bei Unfällen der Hausfrau mit bleibender Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit oder tödlichem Ausgang für die im Haushalt geleistete Schadenersatzforderungen anzuerkennen. Im Rahmen der Neukonzeption des Eherechts kommt der im Haushalt geleisteten Arbeit ebenfalls erhöhte Bedeutung zu; auch hier sind verbindliche Daten erwünscht. Diese Ausgangslage war dem Bund Schweizerischer Frauenorganisationen (BSF) bekannt, als er in seinen Schlussfolgerungen zum UNESCO-Bericht «Die Stellung der Frau in der Schweiz 1974 unter anderem die Bewertung der Arbeit der Frau in Haus und Familie und damit eine Aufwertung der Hausarbeit forderte (…).»

Der Blick von Regula Matasci ins Büchergestell zeigt eindrücklich, wie sich Frauen seit Jahrzehnten für gesellschaftliche Veränderungen einsetzen. In einer Kurzbiografie schreibt sie über sich und ihre frühere Arbeit wie folgt: «Nach dem Agronomie-Studium an der ETH Zürich und einem Nachdiplomjahr an der Universität Hohenheim in Stuttgart im Bereich Hauswirtschaftswissenschaft wurde ich vom Bund Schweizerischer Frauenorganisationen (BSF), heute Alliance F, angefragt, ob ich eine Studie zum Wert der Haushaltarbeit durchführen könnte, zusammen mit einer Arbeitsgruppe von sieben Frauen. Die Broschüre «Die Bewertung des Arbeitsplatzes in privaten Haushalten», wurde 1977 von der Stiftung zur Erforschung der Frauenarbeit und dem BSF herausgegeben. Danach arbeitete ich an der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Tänikon (heute Agroscope) und analysierte die Arbeit von Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben. Mit der Familiengründung wurde auch ich zur Bäuerin, zwar nur Teilzeit, denn ich arbeitete meist ausserbetrieblich als Beraterin, Kontrolleurin, Zertifiziererin für den Biolandbau. Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt bin ich pensioniert, seit deren Gründung 2013 Mitglied von AvaEva und seit 2018 im Vorstand.»

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um das Nutzererlebnis auf unserer Website zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies und ähnlichen Technologien zu. Mehr erfahren