Über längere Zeit befasste ich mich mit dem Gedanken, wann es sinnvoll sein könnte, nicht mehr Auto zu fahren und den Fahrausweis abzugeben. Obwohl ich sehr selten in der Schweiz ein Auto lenkte, genoss ich es sehr, in den Ferien mit einem Mietauto an entlegenere Orte zu gelangen und somit eine Ferienreise auch spontan umplanen zu können.
(Fortsetzung)
Mit dem älter werden verging mir aber auch immer mehr die Lust auf Spontanreisen.
Der erste Schritt war dann, dass wir das Auto verkauften und auf Mobility (Care-Sharing) umstellten. Da ich eh in der Schweiz stets mit dem GA unterwegs war, entschloss ich mich, vor der nächsten Fahrtüchtigkeitskontrolle den Ausweis abzugeben. Mit 75 war es dann soweit! Ich ging nicht mehr zum Arzt für den Test und schickte den Führerschein zurück.
Ich habe es nie bereut und fühle mich nun viel freier und genauso mobil.
Erstaunt war ich von den vielen Reaktionen, welche ich aus meinem Umfeld hörte. Viele begannen zu argumentieren, weshalb sie halt auf das Auto angewiesen seien, oder dass ich es viel weniger gebraucht hätte als sie. Ihre Argumente waren oft: eine andere Wohnsituation als meine, schlechterer ÖV-Anbindung oder Kinderbetreuung in entlegenerem Gebiet usw. Die teilweise massiven «Verteidigungen» verblüfften mich und irritieren mich auch noch heute. Es gibt klare Gründe, weshalb das Autofahren für ältere Menschen schwieriger ist. Den Hauptgrund sehe ich in der verlangsamten Reaktionsfähigkeit.
Keine Frage des Statussymbols mehr
Vor vielen Jahren haben wir im Freundeskreis über unsere alternden Eltern diskutiert und sehr sachlich festgestellt, dass diese nun endlich mit dem Autofahren aufhören sollten. Ein Freund sagte dazu auch, dass für unsere Elterngeneration das Auto halt immer auch noch ein Statussymbol sei und darum der Verzicht schwieriger. Er fand, dass unsere Generation einen anderen Bezug zum Auto hätte und das Fahren keine Prestigefrage mehr sei. Aber diese Diskussion fand vor mehr als dreissig Jahren statt. Heute braucht dieser Freund nach seinen Angaben sein Auto «dringend» und fährt ja eh «nur noch kurze Strecken»!
Ein wichtiges Argument zum Umstieg auf den ÖV war für mich auch, dass ich noch fähig bin, mich in diesem reichen ÖV-Angebot zurechtzufinden und noch lernte, ein elektronisches Billett zu lösen.
Kürzlich wurde mein Mann mit seinen Klassengspänli ins Berngebiet eingeladen. Alle waren sehr erfreut, sagten aber, dass sie nicht mit dem Auto eine so weite und fremde Strecke fahren könnten. Erst als mein Mann ihnen offerierte, diese Reise mit dem Zug zu organisieren, also den Fahrplan für jeden Einzelnen zu planen und die Billette zu lösen, willigten sie hocherfreut ein und genossen die gemütliche stressfreie Zugfahrt und zwei unbeschwerte schöne Tage.
Meiner Meinung nach lohnt es sich für uns alte Menschen, mindestens über dieses Thema nachzudenken.
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