|
Liebe Leserin, lieber Leser Im Sommer bieten wir dir vielseitigen Lesestoff zu zwei unterschiedlichen Themen, die eines gemeinsam haben: den jahrzehntelangen Einsatz der Frauen für ihr gemeinsames Anliegen. Die aktuelle EM im Frauenfussball zeigt, wie Frauen im Sport gesellschaftliche Vorurteile überwinden und unermüdlich kämpfen mussten, um ihre angestrebten Ziele der Gleichberechtigung zu erreichen. Etwas davon habe ich in den 1950er-Jahren selber erfahren. Als Primarschülerin fühlte ich mich den Buben ebenbürtig und spielte mit ihnen Fussball auf dem Pausenplatz. Doch musste ich bei einer Schulpflegerin antreten, die mir mit den Worten «Fussballspielen gehört sich nicht für ein Mädchen» das Tschutten verbot. Obwohl die fussballbegeisterten Frauen beharrlich dranblieben, wurden sie immer wieder lächerlich gemacht und werden bis heute mit ihren sportlichen Leistungen nicht überall voll und ernst genommen. Bei der Fernsehsendung «kicken wie Trudi» über diesen langen Weg hörte ich den Satz: «Nur mit der Sichtbarkeit ist der gesellschaftliche Wandel möglich.» Dies gilt wohl auch für die Care- resp. Sorgearbeit, die mehrheitlich von Frauen unbezahlt geleistet wird, unsichtbar ist und wenig Anerkennung bekommt. Wann sind wir soweit, dass im Fernsehen in mehreren Folgen über die Bedeutung dieser fürs Leben unverzichtbaren Arbeit berichtet wird? Ihr die verdiente Wertschätzung zukommt? Noch ist diese Realität weit entfernt. Neben anderen Organisationen setzen sich die Frauen der GrossmütterRevolution unermüdlich dafür ein, so auch an der Frühlingstagung im Mai mit dem Titel «Wen kümmerts, wer sich kümmert?» Neben der Entwicklung des Frauenfussballs und dem Porträt berichten wir darüber in diesen Frauenweisheiten. Wir erzählen von der vergebens versuchten Aufwertung der Haus- und Familienarbeit, von den vergessenen Fräuleins, vom Ursprung und Umgang mit dem Mental Load und zeigen, wie auch junge Menschen vom Thema betroffen sein können. Im Raum steht auch die Frage, ob möglicherweise die freiwillige Arbeit der Grossmütter durch ihre Unsichtbarkeit gesellschaftlich eine Falle sein könnte. Vielleicht weckt das «Weisch no?» vom ersten Kuss auch in dir Erinnerungen. Mit den Frauenweisheiten schaffen wir einen Gegenpol zu dieser Zeit, in der wieder die Macht des Stärkeren zählt, Empathie als Schwäche gilt und Menschenrechte mit Füssen getreten werden. Lassen wir uns von den weltweiten negativen Ereignissen nicht lähmen, sondern konzentrieren wir uns zusammen mit den tüchtigen Fussballerinnen auf das, was wir verändern können! Wir bleiben dran und schöpfen Energie aus der Verbundenheit mit all jenen, die ähnlich unterwegs sind. In diesem Sinn wünschen wir dir herzlich gute Sommerwochen und freuen uns über Rückmeldungen. Monika Fischer und das Team der Frauenweis(s)heiten: Irmgard Bayard, Barbara Bischoff, Marianne Stohler, Andrea Fetz, Bernadette Kurmann.
|